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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Heidei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 45

04.01.2017 13:00
Die Nacht vor Silvester antworten

Hallo zusammen !

Nach etwa zwei Monaten Zwangspause (wegen Wetter und Arbeit) hat mich am Abend des 30.12.2016 nichts mehr zuhause gehalten - ich habe mir also meine Fernrohrkiste geschnappt und bin in den Weißer Bogen geradelt.

Mein erstes Ziel, das ich auch schon seit längerem in der Planung hatte, waren Pferdekopfnebel und Flammennebel. Also hieß es Fernrohr aufbauen, justieren, Kamera dran, ausrichten, erste Testfotos schießen und dann die "ordentliche" Belichtung machen. Hier das Ergebnis als 1200x800-Bild:



Die Daten zum Bild:
Kamera: Canon EOS 1200D astromodifiziert
Optik: Vixen R 200 SS mit Baader RCC I Komakorrektor
Belichtung: 6 x 20 Minuten bei ISO 200
Korrektur: 6 Darks, 12 Flats mit abgedämpfter EL-Folie(0,4 Sekunden Belichtung), 12 Flat-Darks

Gestackt habe ich die Bilder in AstroArt; die weitere Bearbeitung bestand aus der Entfernung eines linearen Gradienten, einem 2x2-Binning und der Anpassung der Visualisierung. Hier mal das originale Ergebnis.

Zu Letzterem: AstroArt unterscheidet zwischen den Bilddaten, die als 32-bit-Fließkommazahl vorliegen und der Visualisierung als 8-bit-Integer. Die Anpassung geschieht über Angabe eines Minimal- und Maximalwertes sowie einer Transferfunktion. Astroart bietet als Transferfunktion eine logarithmische Funktion in 20 Stufen, eine lineare Funktion sowie eine exponentielle Funktion ebenfalls in 20 Stufen an (Ich muss bei MSB unbedingt noch einmal nachfragen, wie die logarithmischen und exponentiellen Funktionen eigentlich konkret aussehen). An Angaben zu den Bilddaten bietet AstroArt neben dem Mininal- und Maximalwert auch einen Backgroundwert an, den ich für die Einstellung der Visualisierung nutze: Typischerweise nehme ich als Minimalwert für die Visualisierung einen Wert knapp unter dem Backgroundwert, suche mir dann einen Maximalwert so aus, dass die hellsten Bildanteile nicht zu stark "überbelichtet" sind und passe dann die Transferfunktion so an, dass sich die schwachen Bildanteile gut vom Hintergrund abheben.

Für das obige Bild heißt das:
Visualisierungs-Minimum: 99% vom Background-Wert
Visualisierungs-Maximum: 33% vom Daten-Maximum
Transferfunktion: logarithmisch, Stufe 14

Nach den 6 mal 20 Minuten verschwand Orion dann langsam hinter Bäumen (ich hatte mich etwas schlecht aufgestellt - 5 Meter weiter und es wäre noch eine Stunde drin gewesen). Also überlegte ich mir, was ich denn noch so aufnehmen könnte. Beim Bilck in den "Deep Sky Reiseatlas" von Feiler und Noack stieß ich auf ein Objekt in Canis Minor, dass mich interessierte:

Typ: planetarischer Nebel
Name: PK205+14.1
Helligkeit: 11.6m
Ausdehnung: 10'
Helligkeit Zentralstern: 16.0m
Bemerkung: Medusanebel, lichtschwache Sichel

Das reizte mich, also schwenkte ich auf diesen Nebel um.

Kleine Anmerkung: Ich habe mir vor Kurzem zwei Neuerwerbe gegönnt - einen 70x11-Feldstecher sowie ein Sucherfernrohr mit 70/280mm und ein 23.5mm-Fadewnkreuzokular dazu. So habe ich neben dem lichtstarken Feldstecher auch noch ein fast baugleiches Sucherfernrohr dazu, durch das ich dann quasi denselben Blick habe wie durch den Feldstecher. So habe ich auch hier erst mal per Feldstecher geschaut, wie ich zu PK205+14.1 komme und diesen Weg habe ich dann mit dem Sucher nachvollzogen. Ergebnis: Volltreffer - der Nebel lag direkt ziemlich in Bildmitte !

Hier also der Medusanebel:



Die Daten zum Bild:
Kamera: Canon EOS 1200D astromodifiziert
Optik: Vixen R 200 SS mit Baader RCC I Komakorrektor
Belichtung: 6 x 20 Minuten bei ISO 200
Korrektur: 6 Darks, 12 Flats mit abgedämpfter EL-Folie(0,4 Sekunden Belichtung), 12 Flat-Darks
Visualisierungs-Minimum: 98% vom Background-Wert
Visualisierungs-Maximum: 15% vom Daten-Maximum
Transferfunktion: logarithmisch, Stufe 2

Auch hier Stacking in AstroArt, Entfernung eines linearen Gradienten, 2x2-Binning und die Anpassung der Visualisierung. Hier mal in groß.

Ich hoffe, die Bilder gefallen !

Mit den besten Wünschen für das Jahr 2017,
dat Heidei

Vixen R200SS, ASI120MM, ATIK 314L+, EOS 1200D

Blue Star Offline

Mitglied VdS /
Moderator

Beiträge: 286

11.01.2017 16:32
#2 RE: Die Nacht vor Silvester antworten

Hallo Heidei,

auch Dir wünsche ich noch auf diesem Weg ein frohes neues Jahr.

Zu den Bildern kann ich nur sagen, stark. Egal ob es der Pferdekopfnebel inkl. Flammennebel ist, oder der recht unbekannte Planetarische Nebel. Den überhaupt aus der Stadt heraus zu fotografieren und dann auch noch so gut, wirklich top.

Eine Frage, bist Du mit dem Programm AstroArt wirklich zufrieden? Ich frage, weil ich überlege, ob ich demnächst mir mal die Testversion herunterladen soll.

Schönen Gruß
Karsten

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