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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Heidei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 45

29.01.2017 19:03
Orionnebel über Sürth antworten

Hallo zusammen !

fast zeitgleich zu Reverend Coyote habe ich auch den Orionnebel geknipst. Allerdings habe ich mit deutlich längeren Belichtungszeiten gearbeitet mit vielleicht weniger Erfolg - welchen Aufwand bei der Bearbeitung der Reverend getrieben hat, weiß ich nicht - ich habe einigen Aufwand gehabt. Aber erst einmal das Bild:

Orionnebel am 21./22. Januar 2017



Hier ist das Bild in größer - es ist ein 2x2-Binning aus dem Original.

Die Aufnahmen:

Aufgenommen habe ich wie üblich mit meiner Canon EOS 1200 Da am Vixen R 200 SS;

6 x 20 sec bei ISO 100
6 x 4 min bei ISO 100
6 x 30 min bei ISO 100

Dazu dann für jede Belichtungszeit 6 Darks sowie Flats und Dark-Flats.

Die Bearbeitung erfolgte in AstroArt:

1) Jede Belichtungszeit wurde separat gestackt,
2) Die "überbelichteten" Anteile der länger belichteten Aufnahmen wurden durch hochskalierte Pixelwerte der kürzer belichteten Aufnahmen ersetzt (Dafür habe in AstroArt ein Plug-In geschrieben),
3) Das so erhaltene Resultat mit einer sehr hohen Spannweite an Werten wurde "gestaucht" durch Potenzierung der Pixelwerte mit 0,55.

Hier mal der Zentralbereich des Nebels in den einzelnen Aufnahmen und im Resultat:

6 x 20 sec:


6 x 4 min:


6 x 30 min:


Die Kombination:


Die Filamente im Zentralbereich sind längst nicht so ausgeprägt wie beim Reverend. Mich würde mal Eure Meinung interessieren.

Schöne Grüße aus Sürth,
dat Heidei

PS um 23:16 am 29.01.:

Ich habe noch eine andere Stauchung ausprobiert - ich habe die Pixelwerte einfach logarithmiert. Das Ergebnis sieht dann so aus:



Hier ist das Bild in größer - wieder ein 2x2-Binning aus dem Original.

Hier auch noch einmal der Vergleich des Zentralbereichs:

6 x 20 sec:


6 x 4 min:


6 x 30 min:


Die Kombination logarithmiert:


Also mir gefällt diese Variante besser - das Trapez ist nicht verbrannt und man sieht immer noch einige lichtschwache Strukturen.



Seid nochmals gegrüßt vom Heide !

Vixen R200SS, ASI120MM, ATIK 314L+, EOS 1200D

Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

30.01.2017 00:17
#2 RE: Orionnebel über Sürth antworten

Hallo Freunde,

der Reverend ist ein fauler Hund vom Typ Canis Latrans und hat eigentlich nicht allzuviel Zeit in die Bearbeitung gesteckt. Wie schon erwähnt, meine kurzen Belichtungszeiten waren eher ein Unfall statt geplant. Die Batterie in meinem Canon Drahtauslöser war leer und um diese Uhrzeit nicht mehr zu ersetzen. Was also tun? Aufgeben - sicherlich eine Option, aber keine gute. Da fiel mir ein, daß ich ohnehin einmal mit dem HDR Verfahren experimentieren wollte, bei dem man nicht mit extremen Zeiten arbeiten sollte, zumindest nicht in der ersten Versuchsphase.

Ich entschloß mich Bildserien mit 8/15/20/30sec anzufertigen, da für das HDR Verfahren zumindest drei Bilder unterschiedlicher Belichtungszeit erforderlich sind. Ich machte 4 Zeiten, aber die Canon DPP Software konnte nur drei verarbeiten, also nahm ich die Zeiten 8/15/30sec. Das Guiden habe ich mir bei den kurzen Zeiten ersparen können. (HDR heißt High Dynamic Range, dabei werden Bilder des gleichen Objektes mit unterschiedlichen Belichtungszeiten kombiniert und nachher wieder auf einen Standard-Tonumfang reduziert. In der Landschaftsphotographie kann man das bei Bildern mit extremen Helligkeitsunterschieden nutzvoll einsetzen. Dazu benötigt man eine spezielle Photosoftware, in astronomischen Bildbearbeitungsprogrammen ist das nicht enthalten).

Meine Kamera ist eine Canon 60Da (Originalversion, kein Astroumbau). Ich habe mit Tageslicht-Weißabgleich und 1600 ASA gearbeitet, ohne Binning. Bei einer Testreihe vom Yeti hat dieser ASA Wert bei meiner Kamera das beste SNR gezeigt. Außerdem kam ein visueller Breitbandnebelfilter vom Typ SkyGlow zum Einsatz. Kommen wir nun zu meinen Arbeitsschritten:

Rohmaterial (umgewandelt von CR2 nach 16-Bit TIFF)
M42: (16x8sec) + (16x15sec) + (8x30sec)
Darks: (15x8sec) + (13x15sec) + (20x30sec)
keine Flats, Bias, Skims, FlatDarks, etc)

Dieses Rohmaterial habe ich dann (jeweils einzeln für die drei Belichtungszeiten) mit dem Preprocessor von AstroArt V6 zu einem entrauschten, median-gestackten Endbild verarbeitet (Menü Tools-Preprocessing).

Danach hatte ich die drei für das HDR Verfahren nötigen Bilder mit drei verschiedenen Belichtungszeiten bereit. Allerdings mußte ich diese drei Stackbilder gegeneinander registrieren (star alignment), da sie etwas verschoben gegeneinander waren. Zu diesem Behufe bemühte ich das Programm RegIm (Freeware).

Nun war alles bereit, um mit dem HDR Verfahren ein erstes Experiment zu wagen. Wie bereits oben erwähnt dient das dazu Bilder mit einer extremen Helligkeitsdynamik zu 'bändigen' um sie auf handelsüblichen Bildschirmen darstellen zu können, ohne abgesoffenen Bereichen der Finsterniss und ausgebrannten Nebelkernen, in diesem Falle.

Dafür nahm ich das Programm DPP von Canon, welches meiner Kamera beilag. Es ist nicht sehr ausgefeilt und erlaubt auch nur drei verschiedene Bilder dabei, aber zu dieser Zeit hatte ich noch nichts Besseres.
Hier die verwendeten Parameter: 43-69-100_25_14_20, Presets=natural, brightness=43, saturation=69, contrast=100, strength=25, smoothness=14, fineness=20)

Das abgespeicherte, 'hdr-isierte' Ergebnisbild habe ich dann nochmals in AstroArt geladen und es etwas geglättet (Gauss blurred (sigma=2.0, opacity=100%),
Denoised (sigma=2.6, opacity=80%)).

Dann das Ergebnis abgespeichert und in GIMP geladen und der Farbe einen Feinschliff gegeben (mir gefiel das bei der Bearbeitung entstandene Grün, also habe ich es nicht gegen Blau ausgetauscht). Dann war da noch eine Sensor- oder Filterratte auf dem Bild zu sehen, als runder, schwarzer Schatten, vermutlich von einem Staubkorn. Den habe ich dann mit dem Paintbrush-Tool mit dem umgebenden Hintergrund aufgefüllt.

Alle Bearbeitungsschritte wurden mit 16-Bit TIFF Bildern vorgenommen. Zum Schluß kam dann ein 8-Bit Endergebnis heraus, da der GIMP zZ. leider noch nicht 16-Bit fähig ist. Spielt aber hier keine Rolle, da Montiore und Flachbildschirme selten mehr als etwa 64 Farbstufen wirklich darstellen können.

Mehr habe ich nicht gemacht. Ich würde sagen der Unterschied zum Bild von heidei erklärt sich durch den etwas dunkleren Himmel und die wesentlich höhere ASA Einstellung meiner Kamera (1600 vs 100), außerdem durch den erhöhten Kontrast durch den Nebelfilter. Ausgenommen natürlich die Beugungsstrahlen an den Sternen, die bei mir mangels Fangspiegelhalterung nicht da sind. Das Ausbrennen des Nebelkernes ist durch die Verwendung des HDR Verfahrens stark abgeschwächt worden. Die Ausprägung der Filamente hängt stark von der erzielten Auflösung ab (Seeing). Durch meine extrem kurzen Belichtungszeiten hatte ich da wohl einen Vorteil.

Grüßle, Coyote

Meade ETX-70/80, Lidl Spektiv, Minolta Bino, Kasai s'Gucki

Heidei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 45

30.01.2017 21:56
#3 RE: Orionnebel über Sürth antworten

Hallo Reverend Coyote,

1600 ASA gegen 100 ASA machen die unterschiedliche Belichtungszeit natürlich klar - und die leere Batterie im Fernauslöser ! Ich steuere die Canon immer direkt vom Laptop aus (ein Wunder, dass dieser Laptop das mitmacht - ich habe schon mehr als einmal Eis vom Bildschirm kratzen dürfen oder der Laptop war klitschnass vom Tau) und habe Akkus ohne Ende für den Laptop und einen Bleigel-Akku für die Canon.
Meine 100 ASA kamen dadurch zustande, dass ich lange belichten wollte, ohne über zu belichten. Ich versprach mir davon halt noch ein paar Photonen von den dunklen Bereichen.

Die "HDR-isierung" mir DPP - ich muss gestehen, ich habe mir DPP noch nie angeschaut. Allerdings habe ich jetzt so viel Energie in meine Plugin-Programmierung für AstroArt gesteckt, dass ich mal weiter schaue, wie tauglich meine Plugins sind. Mit dem logarithmisierten Ergebnis bin ich eigentlich ganz zufrieden (das originale Ergebnis meines "HDR-Plugins" lieferte laut AstroArt bei einem Background von 13700 ADU ein Maximum von 8.000.000 ADU, so dass es mir sinnvoll schien, dieses Resultat irgendwie zu "stauchen"). Ich freue mich schon drauf, wenn der Cocoon-Nebel wieder beobachtbar wird, dann werde ich das auch mal an ihm ausprobieren.

Schöne Grüße aus Sürth,
dat Heidei

Vixen R200SS, ASI120MM, ATIK 314L+, EOS 1200D

Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

31.01.2017 00:45
#4 RE: Orionnebel über Sürth antworten

Hallo Heidei,

ich habe inzwischen mein originales AP 9x50 Sucherfernrohr mit Bildaufrichtung zähneknischend ausrangieren müssen, da es keinerlei Adapter irgendwo gibt, die auf das hintere Gewinde, mit dem das Okular befestigt ist, passen. Sinn der Aktion sollte es sein den Kamerakopf meines Lacerta MGEN-II Standalone Guiders daran zu befestigen.

Nun habe ich ein TS 60/240mm Minileitrohr/Sucher besorgt und kann künftig meine Aufnahmen kontrolliert nachführen. Dann übernimmt auch der MGEN die programmierbare Steuerung der Kamera, da bei Einsatz des Ditheringverfahrens beim Nachführen gewährleistet sein muß, das der Bildversatz nur dann geschieht, wenn der Kameraverschluß zu ist. Ab jetzt also keine leeren Batterien mehr, da das vom Montierungsakku (22AH Bleigel) mitversorgt wird, ebenso die Kamera.

Viel Spaß weiterhin beim Programmieren und Photographieren,

Coyote

Meade ETX-70/80, Lidl Spektiv, Minolta Bino, Kasai s'Gucki

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