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 Astrocafé
T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 465

21.05.2009 17:31
Toller Monatsvortrag zur Astronomiegeschichte antworten

Hallo Leute!

Am 20.05. 2009 hielt Dr. Jürgen Hamel von der Berliner "Archenhold-Sternwarte"
bei uns den Vortrag: "Von Jupitermonden, Sonnenflecken und Sternkatalogen,
Himmelsbetrachtung und Himmelsmessung von Ptolemäus bis zur Bonner Durchmusterung"

Neben vielen Bildern von kurios wirkenden alten Instrumenten und Hilfsmitteln waren folgende
abschliessende Erkenntnisse ungemein befruchtend - und eher selten zu erleben:

(Bei der Rückschau auf 400 Jahre Fernrohr-Astronomie denkt jeder naive Hobbyastronom wie ich
an altmodisch gekleidete Herren die verzückt und (so oft wie möglich) durch "putzige" altertümliche
Fernrohre blicken und dabei Neues im Sonnensystem oder zwischen den Sternen entdecken.
Mir selbst fallen Namen wie Galileo, Kepler, Huygens, Cassini, Newton, Hevelius, Herschel und Messier
dabei ein.)

Tatsächlich ging es bei den ersten 200-300(?) Jahren seit 1609 um wenig mehr als in den Jahrtausenden
zuvor: Kalender, Navigation und Horoskope - alles abhängig von der sogenannten Positionsastronomie.
Die ihrerseits lebte von Quadranten und Passageinstrumenten, später zögerlich mit integrierten Teleskopen
als "Upgrade" nachgerüstet.

Und: Vor der eigenen Messung/Beobachtung schlug man lieber (selbst im Teleskopzeitalter) bei Ptolemäus
und Co. nach, - Studieren ging vor Probieren -, bis (so in Strassburg geschehen) die Instrumente zu Schrott verrosteten.

Mal abgesehen von der unverzichtbaren Ausnahme "U.S. Naval Observatory" konnten die jungen USA ohne
historischen Ballast ans Werk gehen und ihre teils privaten, teils staatlichen Gelder fast direkt der Astrophysik
zu Gute kommen lassen und wurden so nicht nur wegen toller Beobachtungsstandorte führend in der Entwicklung
von Grossteleskopen. (Oder sogar einer speziellen "Mars-Sternwarte", aber das ist eine andere Geschichte.)
Als hierzulande unter Kaiser Wilhelm II. das "Astrophysikalische Institut Potsdam" entstand, war für uns der Zug schon abgefahren.
An den Optiken der traditionellen europäischen Institute bekamen die Beobachter bis weit ins 19. Jahrhundert hinein kaum buchbare
Stunden für Zwecke, die nichts mit der Positionsastronomie zu tun hatten.

Interssanterweise wurden die meisten Volkssternwarten im deutschsprachigen Raum ebenfalls unter Wilhelm II
gegründet, die meisten Planetarien in der nachfolgenden Dekade. Und die 20er Jahre bringen mich zu unserer VdS:

Jetzt meine Frage zur Vereinsgeschichte:
Welche Astronomie wollten die Gründerväter unseres Vereins anno 1922 der Bevölkerung vermitteln?
Eher die Tradition mit ihrer komplexen Rechnerei und Unterstützung von "handfesten" gesellschaftlichen Zielen wie
Kalender & Nautik (Horoskope waren 1922 out) oder die immer noch junge "Entdeckerastronomie" am Teleskopokular?

Schade aber wegen dem ITV am Vogelsberg auch verständlich, dass nicht noch mehr unserer Referenten anwesend waren.
Der Abend wäre eine tolle Anregung für eigene astronomiegeschichtliche Vortrags-Projekte gewesen.

Viele Grüsse

Euer T Tauri

"Wir spalteten das [U] und verschmolzen das [H], nur das [D] versteckt sich noch als DUNKLE MATERIE vor uns . . ."

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