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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

06.02.2017 16:33
Mondbilder der übleren Art antworten

Hallo Astros,

so höret denn von einem, der zur Jagd nicht auszog, sondern im nächtlichen Garten des Familienstammsitzes versuchte astro-optische Heldenthaten zu verrichten. Doch sollte es ihm diesmal nicht gelingen - mal erwischt man den Bären, ein andermal wird man vom Bären erwischt......
Diesmal passierte Jenem das Letztere, trotz eines lichtbrechenden Schwertes, äh, Refraktors der schärfsten Art! Ja der Bärenfeind des Sternjägers, das Seeing, schlug voll zurück - mit Erfolg, leider.

Aber, bevor ich weiter berichte, warum rede ich eigentlich in der dritten Person von mir selbst? Ist es noch der Schock, sind es die Nachwirkungen, oder ist es bereits altersbedingter, beginnender Wahnsinn? So haltet denn besser ein Auge auf mir, bevor es mir gelinge Optiken zu zerstören!


Also, weiter im zeitgenössischen Technokratensprachverstümmelungsmodus:

Vergangenen Freitag, Feb. 3, 2017, zwischen UT 19:30-20:00, versuchte ich, für einen Fremdforumsbeitrag über den Einsatz von klassischen, betagten Teleskopen, 1-n vorzeigbare Mondaufnahmen mit meinem Tasco 10T Refraktor, Baujahr 1964, zu gewinnen. Dabei handelt es sich um einen dreizölligen japanischen Fraunhofer Refraktor klassischer Bauart (76/1200mm, f/15.8), der über eine geradezu hervorragende Optik verfügt. Allerdings habe ich den optischen Tubus auf einer modernen Montierung (AZEQ-6) auf meiner Gartensäule eingesetzt, da die sehr gute und stabile Originalmontierung leider nicht über Motoren verfügt.

Mit Nyquist im Sinne baute ich alles auf, inklusive einer 2x Barlowlinse. Nach dem ersten Fokussieren des Videobildes gab es keinen Zweifel, das an diesem Abend das übelste Seeing herrschte, welches in meinem Garten je angetroffen wurde! Also habe ich die Barlowlinse gleich wieder entfernt. Selbst im Primärfokus (1200mm) verzog und verbog sich das Bild des Mondes dermaßen, daß ich ernsthaft überlegte, gleich wieder einzupacken. Andererseits würde es nicht schaden einen Versuch zu wagen, da alles betriebsbereit aufgebaut war. Sieben Videos brachte ich zustande, bevor die Wolkendecke sich wieder schloß. Als Kamera verwendete ich diesmal eine QHY ALCCD-5L-IIc, also die Farbversion der 5L-II, deren monochromes Schwesterchen ich bereits in Höchstberg beim Yeti erfolgreich zum Einsatz brachte.

Ich zeige hier nur das beste der Bilder, welches an sich bereits übel genug ist. Auf den ersten Blick wirkt es nicht so schlimm, wenn man jedoch in das Bild reinzoomt wird die allgemeine, der Luftunruhe geschuldete Unschärfe schnell offenbar. Vielleicht hätte ich mit mehr Videos noch etwas Besseres hinbekommen können, aber die Wolkendecke machte dies unmöglich.

Was können wir lernen? Erstens, der kleine Fraunhofer zeigt keinen sichtbaren Farbfehler, es muß also nicht immer ein Apochromat sein. Zweitens, wenn die Atmoshäre dermaßen aufgewühlt ist, muß man 'kilometerweise' Videomaterial zusammendrehen, damit man wenigstens statistisch gesehen besser Chancen hat. Es tut ja nicht weh, mit Digitaltechnik verursacht es ja keinerlei Kosten für Filmmaterial. Und drittens, ein Arbeiten in Wolkenlücken bringt also bei großer Luftunruhe gar nichts.

Ich hoffe, demnächst wieder mit vorzeigbareren Ergebnissen aufwarten zu können.


Grüße, Coyote

Meade ETX-70/80, Lidl Spektiv, Minolta Bino, Kasai s'Gucki

Angefügte Bilder:
South-1.jpg  
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yeti Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 144

07.02.2017 16:52
#2 RE: Mondbilder der übleren Art antworten

Hallo Gruithuisen-Verehrer (Reverend),

am selbigen Tage habe ich auch Mondbeobachtungen durchgeführt. Auch ich hatte grausames Seeing. Anbei eine Animation, die das zeigt. Deswegen hatte ich nur 3 Aufnahmeserien mit je 1500 frames gemacht. Das Teleskop war mein 16 Zöller mit einer Brennweite von 4m. Die Kamera eine monochrome QHY5-II. Wegen des schlechten Seeings hatte ich ein IR-Durchlassfilter benutzt. Die Bilder zeigen den Sonnenaufgang in den Mondalpen, die 3 Krater Theophilus, Cyrillus und Catarina und die Gegend mit der Ariadaeus/Hyginus Rille, in der auch gerade der Triesnecker mit seinem Rillensystem von der Sonne beleuchtet wird. Das 4. Bild ist auch aus dieser Gegend, wurde aber früher bei besserem Seeing mit Verwendung einer Barlowlinse aufgenommen (6.Jan. 17).
Viele Grüße
Yeti

Angefügte Bilder:
theophilus-0000.gif   alpen.jpg   theophilus.jpg   ariadaeus.jpg   HYGINUS-GROSS-0000.jpg  
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Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

08.02.2017 00:23
#3 RE: Mondbilder der übleren Art antworten

Hallo Yeti,

meine Videos sind noch zappeliger wie das Deine. Das war wohl die kombinierte Wirkung vom Seeing in der oberen Atmosphäre sowie den Unthaten meiner Nachbarn, ihre Häuser in weicheierhaftester Weise viel zu stark aufzuheizen. Ob ich die mal mit einer Packung Pullover und der Astrobibel aufsuche um eine Predigt zu halten? Wird aber nichts bringen, denke ich.

Mein externer Remote-Fokussierer (siehe früheren Beitrag) bewährt sich immer wieder. Wie konnte ich bislang nur ohne das Teil leben? Irgendwie merkwürdig wie lange ich den Laptop-Bildschirm von der Säule aus mit dem 10x42 Feldstecher observierte um fokussieren zu können!

Und wieder einmal wurde ein Abend mit einer wunderschönen Mondphase 'verschwendet': Sonnenaufgang am Plateau zwischen Godin und Dembowski. Weiterhin gute Jagd denn,

Coyote

Meade ETX-70/80, Lidl Spektiv, Minolta Bino, Kasai s'Gucki

Angefügte Bilder:
Tasco_1.jpg   Tasco_2.jpg  
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