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 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Heidei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 58

27.09.2020 00:52
Mein Juli mit NEOWISE antworten

Hallo zusammen !

NEOWISE ist auch an mir nicht spurlos vorübergegangen. Es hat aber ziemlich lange gedauert, bis ich die Aufnahmen verarbeitet hatte, deswegen kommt mein Beitrag so spät.

Erst einmal ein paar Worte zum optischen Eindruck:
Die Sichtbarkeit mit bloßem Auge war denn doch eher grenzwertig - immerhin habe ich es an ein paar Abenden geschafft, ihn nur mit Brille bewaffnet (die Kurzsichtigkeit machte es nicht einfacher) zu sehen.
Am Morgen des 12. Juli konnte ich sogar den dann noch gespaltenen Schweif mit bloßem Auge sehen, das fand ich am beeindruckendsten. Wobei ich bei den Versuchen, NEOWISE mit bloßem Auge zu erspähen, bestimmt
ein tolles Bild abgegeben habe: Brille ab, Fernglas ansetzen, Fernglas absetzen, Brille wieder auf - und dazwischen immer wider mit einem Tuch Brille und Fernglas putzen, weil sie schon wieder beschlagen waren ...

Überwiegend habe ich für die Aufnahmen meine Canon EOS 750 D mit einem 200-mm-Objektiv (Canon EF 200 II) auf meiner alten Great- Polaris-Montierung benutzt - nut bei einer Gelegenheit (in der Nacht vom 11. auf den
12. Juli) habe ich mein Fernrohr eingepackt und die Canon auf mein Leitrohr (ein TS Apo 80/480) mit einem 0.8x-Reducer montiert und meinen Hauptspiegel zum Guiding verwendet. Letzten Endes bin ich aber dann lieber
bei dem 200-mm-Objektiv geblieben.

Die Verarbeitung der Aufnahmen erfolgte ausschließlich in Astroart 7 und umfasste folgende Schritte:

1) Stacken der Aufnahmen auf den Kometen ausgerichtet mit der Kappa-Sigma-Methode, um die Sterne auszufiltern. Hier habe ich erst einmal jedes achte bis zehnte Bild zu je einem Zwischenbild gestackt und dann diese
Zwischenbilder weiter gestackt - ebenfalls mit der Kappa-Sigma-Methode.

2) Auf diesen Kometenstacks habe ich dann verbleibende Sternenspuren und Gradienten entfernt.

3) Mit dem Kometenstack habe ich dann aus den Rohbildern den Kometen entfernt - durch eine Bilddivision, wie man das mit eine Flatfield macht. Verbleibende Spuren des Kometen habe ich dann noch händicsh entfernt.

4) Die so behandelten Rohbilder habe ich dann auf die Sterne ausgerichtet gestackt - mit der Mittelwert-Methode.

5) Von diesen Stacks habe ich dann Hotpixel und Gradienten entfernt.

6) Die so erhaltenen Sternenstacks habe ich schließlich zu den Kometenstacks addiert - fertig waren die Bilder.

Bei den Bildern der einen Session mit dem TS Apo kam am Anfang noch die Verrechnung mit Darks und Flats dazu - leider habe ich bei den anderen Sitzungen nicht daran gedacht, auch Darks und Flats zu machen. Das hat sich
dann doch negativ auf die Bilder ausgewirkt und mir den Verarbeitungsschritt, die Hotpixel händisch entfernen zu müssen, beschert.

Alle folgenden Bilder habe ich hier nicht in Originalgröße, sondern 4x4 gebinnt. Weiterhin habe ich dann noch Ausschnitte von 800x1000 Pixel gemacht - größer ging nicht.




Hier die Aufnahmen mit meiner Canon EOS 750D mit Canon EF 200 II Objektiv:

Man sieht auf den Bildern grünliche Streifen, die durch den Aufbau des Fotochips der Canon EOS 750 verursacht sind - die hätte ich durch Flats korrigiert bekommen. Hinterher ist man immer schlauer ...

10. Juli 2020

90 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 200, F = 5.6, davon:
- 90 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Man sieht hier schön den gespaltenen Schweif, die Koma ist weiß:



13. Juli 2020

360 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 360 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Immer noch der gespaltene Schweif, wenn auch schon nicht mehr ganz so deutlich:



17. Juli 2020

120 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 120 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Der Schweif ist kaum noch als gespalten wahrzunehmen, dafür krümmt er sich schon deutlicher. Die Koma fängt an, grün zu werden:



19. Juli 2020

180 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 180 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Jetzt ist die Koma schon komplett grün:



20. Juli 2020

180 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 180 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Hier kann man ganz schwach den Gasschweif links vom Staubschweif ahnen:



21. Juli 2020

280 Aufnahmen - 10 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 280 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Hier ist der Gasschweif schön zu sehen:



22. Juli 2020

100 Aufnahmen - 15 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 100 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Der Gasschweif ist nicht so deutlich wie auf der vorigen Aufnahme:



27. Juli 2020

180 Aufnahmen - 15 sec. bei ISO 400, F = 5.6, davon:
- 120 Aufnahmen für den Kometen
- 60 Aufnahmen für den Sternenhintergrund

Der Komet ist insgesamt schon lichtschwächer geworden:



Insgesamt fand ich es sehr spannend zu sehen, wie der Komet sich von Mal zu Mal veränderte - diese Dynamik in weniger als drei Wochen hatte ich nicht erwartet.




Hier dann die Aufnahme mit der Canon EOS 750 D mit 0.8-fach Reducer am TS Apo 80/480:

12. Juli 2020

75 Aufnahmen - 40 sec. bei ISO 400, F = 4.8, davon:
- 75 Aufnahmen für den Kometen
- 20 Aufnahmen für den Sternenhintergrund
- 20 Darks
- 20 Flats

Hier ist auch noch schön der gespaltene Schweif zu sehen.



Schöne Grüße aus Sürth vom Heidei !

Vixen R200SS, ASI120MM, ATIK 314L+, EOS 1200D

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