Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Kontakt/FAQ 
Forum für Mitglieder und Freunde der
Volkssternwarte Köln
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 65 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Heidei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 58

20.08.2021 02:09
Jupiter 13.08. statt Perseiden antworten

Hallo zusammen !

Eigentlich wollte ich ja die Nacht vom 12. zum 13. August (2021) nutzen, um nochmal (wie die Jahre zuvor) zu versuchen, mit Weitwinkelaufnahmen ein paar Perseiden abzulichten. Was ich diesmal allerdings besser machen wollte, war,
nicht von unserem Balkon in Sürth aus zu knipsen, sondern ich bin in den Weißer Bogen dafür gefahren - nicht ans Pumpwerk, sondern mitten zwischen die Felder, damit ich nach allen Richtungen einen möglichst niedrigen Horizont habe.
Eine weitere Neuerung war auch, dass ich mit zwei Kameras (inzwischen habe ich mir eine zweite Canon EOS 750D angeschafft) und zwei baugleichen Weitwinkelobjektiven - WalimexPro Fish-Eye CS II 8mm 1:3,5 - losgezogen bin.
Da die beiden Kameras automatisch laufen sollten, habe ich, um beschäftigt zu sein, mein Fernrohr mitgenommen, um Jupiter abzulichten.

Die Nacht war leider nicht so ganz klar - immer wieder zogen Wolken durch - und es war klitschnass: Fernrohr und Kameras beschlugen sofort nach dem Auspacken. Und beim Auspacken stellte ich auch prompt fest, dass ich die Ventilatoren,
die ich mir zum Anklemmen an die Objektive gebastelt hatte, um genau das Beschlagen zumindest zu verzögern, wenn nicht gar zu verhindern, zu Hause vergessen hatte. Das führte dann dazu, dass ich so etwa im Zwei-Minuten-Takt die
Frontlinsen der beiden Walimexe mit einem Taschentuch trockengewischt habe, was aber längst nicht ausreichte, wie sich herausstellte.

Um die "Unbillen" der Nacht abzurunden, tauchten ab circa 02:30 zuerst vereinzelt am Südhorizont die Widerscheine von Blitzen hinterm Horizont auf, die dann an Häufigkeit zunahmen und ab etwa 03:00 wurden aus den Widerscheinen die
von Blitzen beleuchteten Wolkentürme eines Gewitters, von dem ich nicht einschätzen konnte, ob und wie schnell es heranziehen würde. Da ich meine Ausrüstung nicht einfach in ein Auto schmeißen kann - ich habe keins - sondern das
ganze Zeug immer wohlsortiert in meine Fernrohrkiste packen muss, die ich auf meinem Fahrradanhänger mit mir führe, habe ich die Beobachtungsnacht gegen 03:15 abgebrochen, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, während der Packerei
im Gewitter zu stehen.

Perseiden ließen sich dann während der Packerei sehen, als die Kameras schon längst abgebaut waren - aber auch nur ein paar. Die Blitze des Gewitters waren da schon weitaus häufiger.

Langer Rede kurzer Sinn: Aus den Perseiden wurde nichts außer ein paar hundert Aufnahmen ohne Meteore, aber mit viel Tau auf den Linsen. Dafür aber klappte es mit Jupiter deutlich besser:

Ich hatte mich vorher gar nicht schlau gemacht, welche Längen der Zentralmeridian aufweisen würde und ob es Ereignisse der Jupitermonde geben würde, aber da hatte ich Glück: Schon bei der ersten Aufnahme zeigte sich am Ostrand der
Jupiterscheibe der GRF und östlich der Scheibe stand auch ein Mond, der sich in den folgenden Aufnahmen auf Jupiter zu bewegte und dann tatsächlich gegen 02:00 einen Durchgang mit vorauslaufendem Schatten begann. Anhand der Aufnahmen
in den einzelnen Farbkanälen tippte ich darauf, dass es sich um Io handelte und als ich das dann zu Hause überprüfte, wurde ich bestätigt: Io 13.08.2021 01:55 SA, 02:06 DA.

Jetzt aber mal zu Ausrüstung und Aufnahmen:

Zur Ausrüstung:

- Mein Vixen R200SS Newton mit Starlight Xpress Filterrad mit Baader-LRGB-Filtersatz, Televue Powermate 4x und als Kamera eine ASI120 MM-S mit USB 3.0.
- Der Newton sitzt auf einer Vixen GPD2-Montierung mit EQ5-Motoren und -Steuerung.
- Als Aufnahmesoftware nutze ich FireCapture 2.6 64bit auf einem ASUS VivoBook Pro 17 mit Windows 10 64bit.

Zu den Aufnahmen:

Aufgenommen habe ich für jeden Farbkanal AVIs mit 2000 Frames, die Belichtungszeiten habe ich so eingestellt, dass das Histogramm eine Belichtung von möglichst circa 80% zeigte - außer bei dicken Wolkendurchzügen, da habe ich die
Belichtung bis 30% abfallen lassen und bei Werten darunter pausiert.
- Die Aufnahmereihenfolge war die bewährte Folge G-R-B-R-G-R-B-R-..., die gerade bei Jupiter den Vorteil hat, dass die resultierenden Farbbilder schnell genug hintereinander kommen, dass Jupiter nicht allzu weit rotiert ist zwischen
zwei Bildern.

Zur Verarbeitung:

- Gestackt habe die AVIs mit Autostakkert 3 64bit, als zu stackenden Prozentsatz habe ich 15% genommen.

Die weitere Verarbeitung erfolgte mit Astroart 7 - hier die 32bit-Version wegen der API (ich muss meine selbst programmierten Plugins immer noch für 64 Bit umschreiben):

- Die einzelnen R-, G- und B-Aufnahmen habe ich mit meinem selbst programmierten Mexican-Hat-Filter (Marr-Hildreth-Operator) geschärft.
- Die R-, G- und B-Aufnahmen wurden - auch mit eigenem Plugin - unter Verrechnung der Belichtungszeiten und der Histogrammwerte zu einem RGB-Komposit zusammengesetzt.
- Die RGB-Komposite wurden noch einmal mit meinem Mexican-Hat-Filter geschärft.
- Dann habe ich das hellste Bild 'rausgesucht und alle Bilder an dieses Bild angeglichen - separat für die R-, G- und B-Kanäle (mit selbst programmiertem Plugin).
- Die resultierenden Bilder habe ich dann in JPEGs konvertiert.
- Aus den JPEGs habe ich dann AVIs mit 15 Frames/sec erstellt und diese für das Internet in MP4 konvertiert.

Und jetzt endlich ein paar Bilder:




00:53 - das erste Bild: GRF taucht auf, Io noch etwas entfernt


01:28 - Io nähert sich


01:54 - noch kein Schatten zu sehen


01:55 - aber jetzt


01:57 - der Schatten klebt noch am Scheibenrand


01:58 - und löst sich jetzt


02:01 - etwa Halbzeit zwischen SA und DA


02:03 - Io berührt die Jupiterscheibe


02:06 - Io halb vor der Scheibe


02:09 - letzter Kontakt mit dem Scheibenrand


02:16 - Io noch im Bereich der Randabdunkelung


Wegen eines Wolkendurchzugs waren die Bilder dann für ca. 20 Minuten eher schlecht.

02:38 - Io selber ist vor der Jupiterscheibe nicht mehr zu sehen


03:11 - das letzte gute Bild


Durch Vergleich mit dem Bild von 03:10 konnte ich festmachen, wo Io sich genau befand

03:11 - das letzte gute Bild, diesmal mit Anmerkung


Die gesamten Bilder - auch die schlechteren - habe ich in einem Filmchen zusammengefasst:




Ich hoffe, es hat gefallen !

Schöne Grüße aus Sürth vom Heidei.

Vixen R200SS, ASI120MM-S, EOS 750D

Blue Star Offline

Mitglied VdS /
Moderator

Beiträge: 380

26.08.2021 00:39
#2 RE: Jupiter 13.08. statt Perseiden antworten

Hallo Heidei,

mal wieder schöner Bilder .

Schönen Gruß
Karsten

major tom Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 71

29.08.2021 19:32
#3 RE: Jupiter 13.08. statt Perseiden antworten

Hallo lieber Heidei,

bereits letzte Woche habe ich mich während meines Urlaubs am Bodensee an Deiner Bilderserie von Jupiter, Io und seinem Schattenspiel sehr erfreut!
Heute, wieder am gewohnten eigenen EDV-Tool, möchte ich die Gelegenheit nutzen, und Dir für Deine beeindruckenden, klaren und wohl abgelichteten Bilderabfolgen ein grosses Lob aussprechen.

Der technische und organisatorische Aufwand, den Du dafür betrieben hast, ist für mich nicht wirklich einzuschätzen, da ich davon nicht wirklich Ahnung habe.
Deine vorliegenden Ergebnisse sind jedenfalls für mich GROSSARTIG! Danke!

Gruß
[Major_Tom_cgn]

 Sprung