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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Astrofotografie und Bildbearbeitung
Mathias Offline



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Beiträge: 272

23.11.2025 13:14
Messier 45 (Siebengestirn) antworten

Hallo zusammen,

es gibt einige Dauerbrenner, die muss man meines Erachtens immer mal wieder ablichten.
Dazu gehören sicherlich die Plejaden. Seit Jahrtausenden zieht dieser offene Sternhaufen die Aufmerksamkeit der Kulturen auf sich. Da kann und will ich nicht zurückstehen ;-)
Ein Nacht nach Neumond, klare Luft und -5 Grad Celsius: da fühlt man sich als Astrofotograf so richtig wohl
So ging es mir jedenfalls letzten Freitag in der Eifel.

Was gibt es zum Objekt zu sagen, das noch nicht jede(r) weiß? Und doch gibt es neue Studien, die spannende Nachrichten bereithalten.
Die Plejaden, auch bekannt als Messier 45, sind seit der Antike als „Sieben Schwestern“ bekannt – ein Name, der darauf zurückgeht, dass früher sieben Sterne mit bloßem Auge sichtbar waren, während heute meist nur sechs klar erkennbar sind. Traditionell galt der Haufen als kompakte Gruppe von rund 1.000 Sternen, entstanden vor etwa 100 Millionen Jahren aus derselben Molekülwolke. Neue Beobachtungen mit der NASA‑Mission TESS und weiteren Surveys zeigen jedoch, dass die Plejaden Teil eines viel größeren Sternkomplexes sind: Über 3.000 Sterne erstrecken sich über 1.900 Lichtjahre, dreimal so groß wie bisher angenommen. Damit wird deutlich, dass dieser scheinbar vertraute Haufen weit mehr über Sternentstehung und galaktische Dynamik verrät, als lange vermutet.
Mehr dazu: https://science.nasa.gov/missions/tess/n...s-star-cluster/




Ausrüstung:
Montierung ZWO AM5, Teleskop Askar FRA300, Kamera ZWO ASI 2600mc pro AIR (mit integriertem Guidung Chip und integrierter Asiair).
Bilddaten:
123 Aufnahmen zu je 120 Sekunden, Gain 100, -10 C, kalibriert mit Darks, Flats und Darkflats. Gesamt: 246 Minuten Belichtungszeit
Bearbeitung:
Pixinsight und Photoshop

Aufgenommen in der Eifel (nach Blankenheim) am 21.11.2025


Viele Grüße
Mathias

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Youtube: youtube.com/@astromatz

T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 517

28.11.2025 15:20
#2 RE: Messier 45 (Siebengestirn) antworten

Hi Mathias!

Ein Objekt ist erst dann "zu Tode fotografiert", wenn über Jahre hinweg keine neuen Details mehr hervor kommen.
Wie hier deutlich zu sehen ist, lohnt sich M45 immer noch - auch und gerade im Hobby-Bereich.

Angesichts der enormen Mengen interstellarer Materie im Bild, die sich weit entfernt von anregenden oder auch nur sie beleuchtenden Sternen befindet: Liebe Astrofotografen des Vereins! Klärt uns doch einmal darüber auf, was wir in diesen tollen "Staub-Bildern" astrophysikalisch sehen und wie ihr die "Staub-Massen" ohne IR-Sensor und ohne Berg-Observatorium sichtbar machen könnt. Oder ist der "Staub" gar keiner und nur sehr schwach leuchtendes H-Alpha-Gas?

Das würde einen eigenen spannenden Astroworkshop-TOP lohnen!

CS

Rudi

Mathias Offline



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Beiträge: 272

28.11.2025 20:41
#3 RE: Messier 45 (Siebengestirn) antworten

Hallo Rudi,

vielen Dank für das Feedback.

Ich versuche mich einmal an einer Antwort zu deiner Frage.

Nach meinem Verständnis ist hier kein Ha-Gas zu sehen. Die Strahlung der Sterne ist zu schwach, um Emissionsnebel zu erzeugen.
Stattdessen sieht man neben den typischen Reflexionsnebeln, die das Licht von M45 streuen, die Staubregionen des Taurus–Perseus-Molekülwolkenkomplexes.
Der Staub wird durch das geschwächte Licht der Hintergrundsterne sichtbar gemacht (Dunkelnebel), oder durch das integrierte Sternenlicht der Milchstraße schwach aufgehellt – je nach Staubdichte und Entfernung zur Plejaden-Gruppe.

Wie kann man Staub ohne IR-Sensor sichtbar machen?
1. Lange Belichtungszeiten
Selbst kleine Amateur-Teleskope können mit vielen Einzelbelichtungen (z. B. 2–5 min, insgesamt mehrere Stunden) extrem schwache Strukturen sichtbar machen. Staub reflektiert das Sternlicht kontinuierlich – je länger die Belichtung, desto mehr Photonen werden gesammelt.
2. Hochempfindliche CMOS-/CCD-Kameras
Moderne Sensoren besitzen:
hohe Quanteneffizienz, geringes Ausleserauschen, lineare Ausgabe.
Damit kann man Oberflächenhelligkeiten erfassen, die für das Auge unsichtbar bleiben.

3. Bildkalibration und -verarbeitung
Flats entfernen Vignettierung und machen Staubstrukturen erst sicher sichtbar.
Hintergrundextraktion (DBE etc.) hebt echte Nebel hervor. Durch die manuelle Bildbearbeitung kann man sehr individuell durch "Strecken" schwache Signale und Kontraste sichtbar machen, ohne sie künstlich zu erzeugen.
Es ist also am Ende "nur" sehr schwaches sichtbares Licht... ;-)

Wenn jemand andere oder weitere Erkenntnisse beisteuern kann: gern!

Clear Skies!
Mathias

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major tom Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 181

30.11.2025 18:49
#4 RE: Messier 45 (Siebengestirn) antworten

flowerGRATULATION im Nachgangflower
BilddesMonats Dezember 2025

Blue Star Offline

Mitglied VdS /
Moderator

Beiträge: 512

30.11.2025 18:50
#5 RE: Messier 45 (Siebengestirn) antworten

Hallo Mathias,

tolle Version der Plejaden und ja, so manche Objekte muss man halt ab und zu mal wieder neu aufnehmen, sei es wegen neuer Ausrüstung und/oder neuer Software. Oder einfach weil es mal wieder so sein muss.
Übrigens deine Erklärung würde ich so unterschreiben.

Schönen Gruß,
Karsten

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