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 Volkssternwarte Köln
cleopatra Offline

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Beiträge: 344

03.12.2009 03:26
Der Pauly-Refraktor antworten

Auf Anregung von Reverend Coyote entsteht hier eine Zusammenfassung der Geschichte des Paulyrefraktors.

Zunächst seien hier einige ANTARES-Ausgaben genannt, die Material darüber enthalten:

1959 Nr. 4 Seite 45 ff.
1960 Nr. 5 Seite 68 ff.

in Arbeit !

Hier wird der Pauly-Refraktor auch erwähnt (in Kapitel 1.):
http://www.sorgenfreyfotografien.de/Technik/Faltrefraktoren%20-%20die%20anderen%20Linsenteleskope.pdf

cleopatra

Entwurf für eine evtl. später mal von Wiley & Sons, Inc., geduldete überarbeitete Version des Nachrufs von Max Pauly durch Max Wolf.





Max Pauly






DRAFT









Max Pauly


Quellen: http://www.nafa.dk/Historie/Max%20Pauly.shtml,

http://www.nafa.dk/Historie/Max%20Pauly.htm,

http://www.nafa.dk/Historie/UraniaObjektivet.shtml,

Astronomische Nachrichten 1918, 207.219 (beim Herausgeber),

Astronomische Nachrichten 1918, 207.219 (nur für Forschung und Lehre)


Dieser Inhalt ist nur für Mitglieder der Volkssternwarte Köln sichtbar und darf nicht weiter verbreitet werden;

er darf nur für Forschung und Lehre genutzt werden; die Nutzung des Nachrufs für den Privatgebrauch muß

beim Herausgeber erworben werden (siehe obigen Link).


HTML-Version der NAFA redigiert von Ingo Kelmes anhand einer von Wiley & Sons, Inc., erworbenen Kopie des Originalnachrufs

Quellenangabe gemäß Wiley-VCH GmbH:
Journals: Max Wolf: Anzeige des Todes von Max Pauly. Astronomische Nachrichten. 1918. Band 207/4963. Seiten 219-224. Copyright Wiley-VCH GmbH. Reproduced with permission.


Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber








Deutscher Industrieller und Optiker. Erlernte die Kunst des Glasschleifens und bekam durch Ernst Abbe eine Anstellung bei der Optikfirma Carl Zeiss. Unten ist der Nachruf von Max Wolf aus dem Jahr 1918. Es scheint, dass Pauly eine energische Person mit vielen Interessen war. Als Industrieller sorgte sein Einfallsreichtum dafür, dass der Kohleverbrauch in der deutschen Zuckerindustrie um 30 % zurückging :-). Er produzierte mehrere große Objektive, darunter das 10"-Objektiv der Urania-Sternwarte1), das jedoch in Wolfs Nachruf nicht erwähnt wird








Max Pauly und seine Frau
Max Pauly und seine Frau.
Undatierte Fotografie




  • Nachruf von Max Wolf
  • Aussage bzgl. des Urania-Objektivs (Hans G. Beck, Jena)







Max Pauly 1849-1917




Als Sohn eines Postsekretärs in Halle a. S. am 15. November 1849 geboren,
das älteste dreier Geschwister, zweier Söhne und einer Tochter, erlebte er eine
unruhige Jugend.



Der Vater, ein heller Kopf, aber unsteter und heftiger Gemütsart,
quittierte infolge von Reibungen den Postdienst und widmete sich geologischen
Studien. Er siedelte 1859 nach Harzgerode über, um dort die Leitung einer
privaten Bergbaugesellschaft zu übernehmen. Der Berufswechsel ins Unsichere
bildete den Grund zu jahrelangen Unstimmigkeiten mit der kunstsinnigen und
seelenvollen Frau, ein Verhältnis, das den Kindern den Sonnenschein der Jugend
verdunkelte.



Max, ein schwächlicher Junge, kam 1858 in die Franksche Schule in Halle,
1859 in die Volksschule nach Harzgerode, 1862 fern vom Vaterhause in die
Realschule des Waisenhauses in Halle, 1863 in die Realschule in Halberstadt.
Von dort wurde er, trotzdem er ein hervorragender Schüler war, vom Vater, dem
es zu langsam zum Geldverdienen ging, 1866 zum Schlosser Dittmar, dem Nachbar
in Harzgerode, in die Lehre gegeben. 1867 kam der Junge als Schlosser in die
Maschinenfabrik von J. Billeter und später zu Billeter & Klunz in
Aschersleben.



Das Jahr 1868 wurde verhängnisvoll. Die Bergbaugesellschaft war verkracht,
der Vater brotlos, die Mutter durch eine Lähmung ans Bett gefesselt. Drei Jahre
mußte der junge Pauly sein Brot als Schlossergeselle verdienen und die Familie
ernähren helfen. In dieser schweren Zeit gab ihm die innige Liebe zur Schwester
Lisbeth, die selbst aufopfernd die Mutter pflegte und das Haus versah, die
Kraft, allen Jammer zu tragen. Damals knüpfte sich zwischen beiden Geschwistern
ein festes Band, das alle Lagen des Lebens durchhielt und rührende Früchte
trug.



Anfang der siebziger Jahre faßte der Vater Fuß in Halle. Die Verhältnisse
besserten sich. In der Braunkohlenöl-Industrie entstand ihm ein guter
Verdienst, und als Erfinder des Grudebetriebes in den Familien ist er zum
bleibenden Wohltäter des Harzes geworden.



Max konnte die Gewerbeschule in Halberstadt beziehen, die er glänzend
absolvierte. Sein Vater suchte ihn in der damals aufblühenden Zuckerindustrie
unterzubringen. So kam er 1871 als Volontär zu dem berühmten Direktor
Bodenbender nach Wasserleben. Da dieser dem begabten Jüngling dringend zum
Studium riet, schickte ihn der Vater in der Folge auf die Universitäten Berlin
und Halle und die technische Hochschule in Berlin. Nach absolviertem Studium
wurde er Assistent bei Bodenbender, hielt dann 1 Semester Vorlesungen an der
Zuckerschule in Braunschweig, richtete 1875 die Zuckerfabrik Ciesar bei Florenz
ein und machte von seinen Ersparnissen Reisen durch Italien. 1876 promovierte
er in Göttingen mit der Dissertation: Über Amidoderivate des Benzophenons und
Azetons. »Sie haben mir mächtig auf den Zahn gefühlt«, äußerte er später
lachend, »aber ich schaffte es«. Nach einer Kampagne bei Bodenbender, mit dem
er eine Arbeit über die Glutaminsäure veröffentlichte, trat er 1876 - 77 seine
erste Direktorstelle in Schwoitzsch b. H. an; aber schon 1878 übernahm er die
Direktion der großen Zuckerfabrik Brottewitz b. Mühlberg a. d. Elbe.



Hier in Mühlberg lebte er sich ein; 19 Jahre wirkte er hier ununterbrochen
organisierend, verbessernd und erweiternd. Von Jugend auf technisch
hervorragend begabt — mit 4 Jahren baute er eine alte Uhr zusammen, und mit 9*
Jahren konstruierte er eine Sonnenuhr, die auch das Datum anzeigte —, durch
seine Schlosserzeit an die praktischen Griffe gewöhnt, durch sein vielseitiges
Studium mit weitem Blick versehen, fand er überall zu verbessern und Neues zu
erfinden. Sein damaliger Assistent, Direktor Steffens, berichtet von den ganz
neuartigen Maschinenanlagen, die damals geschaffen wurden, und den
durchgreifenden Verbesserungen in den damals üblichen Arbeitsverfahren. Pauly
allein gebührt das Verdienst, wie Prof. Herzfeld schreibt, das
Elutionsverfahren seinerzeit lebensfähig gemacht zu haben, indem er zeigte, daß
die Auslaugung des Melassekalkes nur unter Bewegung und nicht, wie Bodenbender
annahm, in der Ruhe möglich ist. Pauly hat viele Verbesserungen in der
Zuckertechnik bekannt gegeben; erwähnt sei sein Transporteur zur Füllung der
Diffuseure. Das Hauptverdienst Paulys, das seinen Namen weltbekannt gemacht
hat, liegt in einer noch heute überall verwandten Erfindung, die auf dem
Verkochen von Säften unter Druck beruhte, des »Paulykochers« (1889), einer
Erfindung, die über die Zuckerindustrie hinaus weitgehende Anregung
hinsichtlich der besseren Wärmeausnutzung beim Verdampfen von Flüssigkeiten
gegeben hat. Wie segensreich sie gewirkt hat, geht daraus hervor, daß durch
ihre Initiative der Kohlenverbrauch in der Zuckerindustrie um 30 %
zurückgegangen ist.



Eine eingehendere Würdigung dieses Arbeitsgebietes von Pauly bleibt
Fachkreisen vorbehalten. In dieser Zeitschrift müssen wir eine andere Tätigkeit
Paulys betonen.



In Mühlberg gründete auch Pauly die eigene Familie. In Dresden fand er die
Frau, der er in treuer Liebe anhing und die er Zeit seines Lebens auf Händen
trug. Von Klara, geb. Küttner*, empfing er seinen Sohn und seine Tochter.



Frau Paulys Interessen lagen zwar auf schöngeistigem Gebiet; sie verstand
es aber, sich in Paulys Interessen einzuleben und ihn im Verkehr mit seinen
Leuten zu unterstützen. Die ganze Fabrik bildete bald eine große Familie, deren
Haupt Pauly und seine Frau waren, und die zahlreichen Besucher aus aller Welt,
die kamen, um Paulys Werk zu studieren, fanden immer ein gastfreies Haus, aus
dem das Scheiden schwer fiel.



Eigentümlichkeit Paulys war seine geistige Ruhelosigkeit und seine
Vielseitigkeit. Von Jugend auf ein leidenschaftlicher Schmetterlingssammler —
hat er doch um ein Haar sein Doktorexamen über der Jagd eines seltenen
Schmetterlings verpaßt — ein eifriger Geologe, Botaniker und Photograph, verwandte
er sehr viel Zeit auf die Befriedigung dieser Liebhabereien und das damit
verbundene Studium. Seine Mikrophotographien erregten Aufsehen. Wenn er dabei
den Obstbaumschnitt und die Kultur als Meister beherrschte und als
Geflügelzüchter und Bienenvater von weither wegen seiner Musteranlagen
aufgesucht wurde, wenn er nah und fern wissenschaftliche Demonstrationsvorträge
hielt, so ist es schwer zu begreifen, daß er dabei solch fundamentale Leistungen
auf seinem Fachgebiet zustande bringen konnte.



Es beherrschte ihn von Kindheit auf die Sehnsucht nach den Sternen, und es
überkam ihn in diesen Jahren die Lust, sich selbst Linsen zur Beobachtung
anzufertigen. Er begann anfangs der achtziger Jahre ganz im stillen mit
kleineren Schleifversuchen und dem eifrigen Studium der praktischen Optik. Auf
einer Ausstellung (Görlitz 1885) sah er ein Spiegelteleskop, dessen Spiegel ein
Herr v. Schlicht geschliffen und Herr
G. Meißner in Potsdam montiert hatte.
Das veranlaßte ihn, mit Herrn v. Schlicht, einem Liebhaber der praktischen Optik,
der auch für H. C. Vogel Spiegel und Objektivprismen angefertigt hat, in
Beziehung zu treten. Bei ihm, den er in Potsdam besuchte, lernte er die ersten
praktischen Kniffe der Flächenbearbeitung. Sehr rasch arbeitete er sich in die
verschiedenen Methoden der Technik ein. Zwei intelligente Arbeiter aus der
Zuckerfabrik, der Schmied August Schäfer
und der Maurer Karl Tauchnitz, wurden
für die Arbeit herangezogen, sodaß der letztere die Schleifarbeiten, der erstere
besonders die mechanischen Arbeiten übernahm. Zeitweise wurde noch ein eigener
Feinmechaniker angestellt. Die praktische Erfahrung seiner Schlosserzeit und
seine durch die Not gestählte Zähigkeit befähigten Pauly rasch, viele
Schwierigkeiten zu überwinden, die viele andere abgeschreckt haben, und sehr bald
betrieb er die Schleiferei nicht mehr, um sich Fernrohre zum Beobachten zu
bauen, sondern wegen des Schleifens und Prüfens selbst, die ihn ganz in ihren
Bann zogen. Sein charakteristischer Ausspruch: »Zucker machen kann jeder, aber
der Zucker, den ich mache, soll der beste sein«, gab ihm auch hier den Maßstab.



Eigene Methoden der Rohbearbeitung des Glases, eigene Methoden zur
Untersuchung des Materials und der Flächen wurden ersonnen. Oberstes Prinzip
war Pauly, entgegen anderen Anschauungen, wenn irgend möglich die Form der
Linsen streng der Rechnung entsprechend in aller Schärfe auszuführen und nur
die durch Inhomogenitäten bedingte empirische Korrektion vorzunehmen, worin ihm
allerdings kein zweiter gleich kam. Aluminiumtaster bisher ungekannter
Genauigkeit und neue Prüfungsapparate aller Art wurden konstruiert. Die Radien
ließ er sich meist von einem befreundeten Oberlehrer in Leipzig und später von
ihm bekannten jüngeren Optikern in Jena rechnen, obwohl er sich anfangs auch
selbst in Rechnungen versuchte. Besonderes Gewicht legte er auf die Vermeidung
von Zonen und ersann besondere Kunstgriffe, ihr Entstehen möglichst gleich zu
erkennen und zu verhüten. Die extrafokalen Bilder seiner späteren Objektive
zeigten eine bis dahin unerhörte Zonenfreiheit, die jeden Astronomen erstaunen
machte. Ebenso erkannte Pauly bald, daß eine große Fehlerquelle bei den meisten
Optikern durch die Verspannung der Linsen beim Auffuttern entstand. Er vermied
daher das Kitten möglichst bei großen Linsen oder, wo er Kitten mußte,
verwandte er die größte Sorgfalt, um Spannungen zu vermeiden. Später ersann er
auch ein eigenes Verfahren, die strenge Parabelform bei seinen Hohlspiegeln zu
erzielen.



Bis Anfang der neunziger Jahre sind nur Maschinen mit Hand- und Fußbetrieb
verwendet worden; von da ab traten Maschinen mit Kraftantrieb an ihre Stelle,
die im Keller seines Wohnhauses aufgestellt wurden. Eine Poliermaschine für
Flächen bis über 600 mm entstand 1895.



Es kam mit der Zeit eine Menge von Feinoptik aus dieser Liebhaberwerkstätte:
Teleskopspiegel, Prismen, Prismensätze, Fernrohrobjektive und Okulare aller
Art. Eine Anzahl ging an Meißner
in Berlin und andere, die sie montierten und verkauften. Eine Reihe von Linsen ging aber
unmittelbar an Liebhaber der Himmelskunde, und zwar meist so gut wie ohne Zahlung.
Sobald Pauly überzeugt war, daß der Betreffende ernstlich wissenschaftlich
sich betätigte und mittellos war, kannte seine Freigebigkeit kaum eine Grenze. Von den
Erzeugnissen dieser Periode seien erwähnt: ein 6" Objektivprisma für
Ó-Gyalla (1886) und die beiden 10" Objektivprismen für Ó-Gyalla2) und
Herény* (91-93), deren einem wir v. Gothards Nebelspektren verdanken, das 8"
Objektiv für den eigenen Gebrauch (88), ein 6" Objektiv für Grinenko und
ein gleiches für Fauth (89). 3)



In die Jahre 91-94 fallen Paulys Versuche mit Apochromaten aus den neuen
Gläsern Schotts, die, bei vollem optischen Erfolg, zwar die Unbeständigkeit
dieser ersten neuen Glassorten erwiesen, zugleich aber die Anregung zur
Fortsetzung der erfolgreichen Schmelzversuche Dr. Schotts bildeten. Es entstand
u. a. damals ein 7" Apochromat für die Jenaer Sternwarte, ein 6"
Apochromat fur die Berliner Urania, der 7" Apochromat für Fauth, mit
welchem die Parallelbeobachtungen Fauths mit Brenner ausgeführt wurden. Versuche
mit Gauß-Objektiven folgten, denen auch indirekt der 25 cm-Achromat des
Unterzeichneten seine Entstehung verdankte.



Anfang der neunziger Jahre wurde für die eigene Sternwarte nach Entwürfen
seines Freundes v. Konkoly der 8-Zöller montiert und eine primitive Kuppel
gebaut. Ein Passageninstrument von v. Gothard und eine Strassersche Pendeluhr
vervollständigten die kleine Sternwarte Paulys, auf der eifrig Sonne und
Planeten beobachtet wurden, die aber hauptsächlich der Prüfung neuer Apparate
diente.



Durch die Beziehungen mit den Optikern in Jena und mit Dr. Schott kam Pauly
mit Abbe in Berührung, der in der selbstlosen, begeisterten Arbeit Paulys sein
sympathisches Gegenstück fand. Als daher in Abbe, durch Freunde angeregt, sich
der Gedanke gefestigt hatte, beim Zeiß-Werk die Herstellung astronomischer
Instrumente aufzunehmen, war es naheliegend, daß er versuchte, Pauly für das
Vorhaben zu gewinnen.



Paulys Gesundheit hatte durch den Doppelberuf recht gelitten. Er war, wie
Steffens* berichtet, trotz der vielseitigen Beschäftigung die erste Autorität in
seinem eigentlichen Beruf geblieben und hatte die Fabrik, dem stark
anwachsenden Betrieb entsprechend, fortwährend erweitert und auf höchster Höhe
erhalten. Der Arzt riet ihm, eine seiner Tätigkeiten aufzugeben. Er entschied
sich zugunsten der Optik. Zucker machen könne auch ein anderer, große Linsen
schleifen aber nicht, meinte er. Auch der Wunsch, die heranwachsenden Kinder
in der Schulzeit im Hause behalten zu können, spielte mit.



So folgte Pauly dem Ruf nach Jena und übernahm es, als Teilhaber, eine
astronomische Abteilung am Zeiß-Werk ins Leben zu rufen (1. April 1897). Sowohl
Schäfer als
Tauchnitz begleiteten ihn. Sie waren in der Folge seine treuen und
unermüdlichen Helfer, auf deren Geschicklichkeit und Erfahrung er sich
verlassen durfte.



Es wurde Pauly nicht leicht, aus der selbständigen Stellung als Direktor
einer der größten Zuckerfabriken sich in die doch abhängige Stellung im
Zeiß-Werk hineinzufinden, und es war für ihn — den großen Organisator und
unternehmenden Geschäftsmann — entschieden ein Fehler, nach dem Tode des großen
Abbe seine Teilhaberschaft aufzugeben, um Zeißscher Beamter zu werden.



Unter großen Schwierigkeiten, die besonders der von Pauly noch nicht
beherrschte mechanische Instrumentenbau verursachte, wurden die ersten größeren
Instrumente konstruiert und neue Arbeitsmaschinen eingerichtet.



In emsiger Arbeit verstrich die Zeit, in stetem Gedankenaustausch mit dem
genialen Abbe vervollkommneten sich Methoden und Einrichtung. Überall fand der
stille Beobachter zu jener Zeit die Spuren Paulys auch in den anderen
Abteilungen des Zeiß-Werkes. Ohne es zu wollen und ohne daß es die meisten
merkten, hafteten Paulys Anregungen und trieben Früchte.



Die Theoretiker H. Harting* und A. König leisteten begeistert Unterstützung
mit neuen optischen Rechnungen; Herr Orth versuchte sein bestes in
feinmechanischen Konstruktionen.



In dem Astronomen W. Villiger* (1902) und dem Ingenieur Fr. Meyer (1903)
verstand Pauly originelle Helfer für Optik und Instrumentenbau zu finden und
stellte so zwei hervorragende Männer an die richtigen Stellen.



Die Abteilung sicherte sich bald durch ihre Arbeiten großes Ansehen in der
astronomischen Welt. Auch die im wesentlichen von Pauly selbst konstruierten
Aussichtsfernrohre und militärischen Lichtsignalapparate verbreiteten den Ruf
der Anstalt in weitere Kreise.



Von größeren Instrumenten, die unter Pauly aus dem neuen Institut
hervorgingen, erwähne ich: den dreifachen 150, 120, 120 mm-Refraktor für Simeïs*
(00-04), das 720 mm-Spiegelteleskop für den Königstuhl (01-04), das 640 mm-
Objektivprisma für die Kap-Sternwarte (02), das Zenitteleskop für die Jenaer
Sternwarte (04-06), das 400 mm-Spiegelteleskop für Innsbruck (03-05), das 1000
mm-Spiegelteleskop für Bergedorf (08-11), den 145 mm-UV-Petzval mit 15° und 30°*
Objektivprismen für das Yerkes-Observatory (05, 11), den dreifachen 360
mm-Refraktor für Neuchâtel* (08-10), das 12"* Objektiv für die Berliner
Sternwarte (08-11), die 350 und 300 mm-Objektive für Zürich (08-11), den 340
mm-Astrographen für Bergedorf (09-11), den 650 mm-Refraktor für Babelsberg und
das 1911* begonnene, wegen des Krieges unvollendete 1200 mm-Spiegelteleskop für
das gleiche Institut.



So ist in diesen 14 Jahren durch Pauly und seine Mitarbeiter die Großoptik
in Deutschland zu unerwarteter und sich immer steigernder Entfaltung gelangt,
und ihr Aufblühen wird dauernd an den Namen Pauly geknüpft sein.



Pauly, dessen Gesundheit in den letzten Jahren sichtlich zurückging, und
der sich aus verschiedenen Gründen in seiner Stellung nicht mehr wohl fühlte,
löste 1913* seine Beziehungen zum Zeiß-Werk.



Die letzten Jahre seines Lebens widmete er sich fast ganz seiner Frau und
seinen Kindern. In aller Stille aber pflegte er seine alte Wissenschaft, die
Chemie. Er arbeitete eifrig über Kolloïde. Leider schritt seine Krankheit, die
durch die Aufregungen und Entbehrungen des Krieges Nahrung erhielt, rasch
weiter. Sein früher so unvergleichlicher, goldiger Humor, der ihn seinen
Freunden so wertvoll machte, hatte ihn verlassen. Wehmutsvoll und gebeugt durch
die Leiden erwartete er den Tod, der ihn uns am 26. April 1917 entriß.



Pauly verstand es wie wenige, die Fähigkeiten von Leuten zu erkennen und
sie für einen Zweck zu begeistern. Vor keiner Schwierigkeit scheute er zurück;
alles, was er in die Hand nahm, ging schließlich, wenn auch oft nach vielen
Verbesserungen. Alle Probleme wußte er mit ideenreichem Scharfblick von den
verschiedenen Seiten anzupacken. In allem, was er angriff brachte er es zu
einer Meisterschaft. Aber die Vielseitigkeit war ihm stets Gefahr; sie hinderte
ihn wohl, noch höher zu steigen.



Von Manchen, die ihn nicht aus nächster Nahe kannten, ist die geistige
Bedeutung Paulys nicht recht erfaßt worden. Das kommt daher, daß er, im Umgang
ein äußerst bescheidener und stiller Mensch, sich nirgends vordrängte, aber doch bei
jedem Umgang stets der anregende und gebende Teil war, ohne daß es die meisten gewahr
wurden.



Astrowerkstatt um 1904Max Wolf
Astronomische Werkstatt Paulys, um 1904
Max Wolf, Direktor der Sternwarte Heidelberg-Königstuhl



Königstuhl, 1918 Juli. Max Wolf


1) Siehe http://www.nafa.dk/index.php?id=uraniahist

2) Hier weicht diese redigierte Version ausnahmsweise vom Originalsatzspiegel ab, bei dem an beiden Stellen ein nicht akzentuiertes O als erster Letter eingesetzt wurde, an der ersten Stelle mit folgendem Leerzeichen und an der zweiten Stelle mit folgendem Bindestrich. Statt dessen folgt diese Version der Schreibweise in Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1905 für den Ort der ersten ungarischen Sternwarte.


3) Es darf angenommen werden, daß sich die Jahreszahl ([18]89) auf das Teleskop von
Alexander Grinenko bezieht, denn der seit 1929 im Besitz der Volkssternwarte Köln befindliche andere Pauly-Refraktor
wurde 1891 von Philipp Fauth bestellt und auch fertig gestellt
(persönliche Mitteilung von Hermann-Michael Hahn an den Autor der Fußnote).


* Vermutlich durch den Einsatz von OCR-Software beim Scannen des Originals hatten sich Fehler in der HTML-Version ergeben. Diese sind hier korrigiert.





>









Aussage bzgl. des Urania-Objektivs


Von Diplom-Astronom Hans G. Beck, Jena.

aus dem Englischen übersetzt von Ingo Kelmes



Die Geschichte des kostenfreien Geschenks von Glasronden durch Otto Schott an [Victor] Nielsen kann leicht erklärt werden: Als Schott 1884 seine Arbeit in den Glaslaboren in Jena begann, arbeitete er ein Programm aus, alle möglichen Kombinationsarten von Mineralien zu untersuchen. Er führte eine große Anzahl von Versuchen aus, hunderte und Aberhunderte. Wegen der kleinen Abmessungen der Mikro[skop]optik und der Anforderung an ein Prisma zur Überprüfung der Dispersionseigenschaften war die Glasmenge für jeden Versuch nicht hoch.


Jedenfalls ist dokumentiert dass Ernst Abbe, der sehr vertraut mit der Arbeit von Fraunhofer war, Schott vorschlug, größere Glasmengen zu erschmelzen, die für Teleskopoptiken genutzt werden könnten. Weiter schlug er vor, die Glasschmelze in eine "Form" einer zylindrischen Ronde statt eines Glasblocks zu gießen. Indem er dies ausführte muss Schott eine Anzahl von Glasronden hergestellt haben aber niemand in Jena hatte besondere Erfahrung im Schleifen und Polieren von Linsen größerer Abmessungen mit hoher Genauigkeit.


Ernst Abbe sandte 1866 seinen Assistenten Siegfried4) Czapski zu Carl Bamberg, der ein Lehrling von Carl Zeiss war, und der astronomische Geräte in einer Betriebswerkstatt in Friedenau nahe Berlin herstellte5). Czapski rechnete zwei Objektive, die in Bambergs Werkstatt gefertigt wurden. Aber die genutzten Gläser, Phosphorcrown und Baratflint, waren empfindlich gegen den Einfluß der Atmosphäre. Zu dieser Zeit nutzte Max Pauly die neuen Gläser aus Jena vor seinem Eintritt bei Zeiss 1897.


So ist erklärt warum die Linsenfassung keine Nummer trägt. Es gibt ein weiteres Objektiv von Max Pauly in Frankfurt a. Main im Observatorium des Physikalischer Verein.


4) Im englischen Original lautet der Vorname "Cars"; der Nachlass von Max Wolf erwähnt allerdings nur Siegfried Czapski, den Assistenten von Ernst Abbe.


5) 1871-1887 laut Wikipedia noch in Berlin Mitte, siehe den Eintrag zu den Askania-Werken.


















Julius Cäsar Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 346

18.10.2012 16:30
#2 RE: Der Pauly-Refraktor antworten

Im Heft "Die Kuppel ist offen", erschienen 1962 anlässlich der Errichtung der Sternwarte auf dem Schiller-Gymnasium, ist auch jede Menge zur Geschichte des Pauly-Refraktors und viel über die Motivation der damaligen Vereinsmitglieder zu lesen. Sehr empfehlenswert.

Die Kuppel ist offen von 1962 (Auf das Archiv der Volkssternwarte Köln können nur Vereinsmitglieder zugreifen! )

J.C.

Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 208

28.01.2013 11:59
#3 RE: Der Pauly-Refraktor antworten

Hallo,

was ist eigentlich der aktuelle Status des Refraktors? Gibt es den noch oder ist er verkauft worden? Ich denke dabei an das geplante Terrassenfernrohr des Vereines. Die Optik ist Spitzenklasse, die Mechanik schwer aber solide.

Grüße, Coyote

Meade ETX-70, Meade ETX-80, Lidl-Spektiv, Lidl-Feldstecher

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