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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Astrocafé
yeti Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 144

25.05.2012 15:29
Die Sternwarten in Yangbajing/Tibet antworten

Liebe Sternfreunde,

Yeti sendet euch herzliche Grüße aus der Heimat der Yetis. Ich bin nun seit 6 Tagen in Tibet. Für zwei Tage war ich zur Akklimatisierung und Höhenanpassung in Lhasa (3600m hoch). Seit vier Tagen bin ich in Yangbajing, einem kleinen Ort 90 km nördlich von Lhasa in einem breiten Tal in 4300m Höge gelegen. Yangbajing ist bekannt für seine heißen Quellen und Geysire. Die stärksten Quellen werden in einem großen geothermischen Kraftwerk zur Stromerzeugung genutzt. In Yangbajing gibt es schon seit längerer Zeit eine Forschungseinnrichtung zur Beobachtung der kosmischen Strahlung. Das ist das "High Energy Physics Institut des NAOC (National Astronomical Institutes, Chinese Academy of Sciences). Seit 2010 ist eine größere astronomische Einrichtung im Aufbau, zu derem Kernstück ein 3m Radioteleskop gehört, das ehemalige KOSMA Teleskop der Universität zu Köln, das sich von 1985 bis Juni 2010 auf dem Gornergrat/Zermatt/Schweiz befand. Darüber hatte ich schon mal hier im Forum berichtet: heißgeliebte Galaxien. Dort findet ihr es unter den "Antworten".

Das Teleskop könnte Ende August bereit sein für normale astronomische Beobachtungen im mm- und submm-Wellenlängenbereich, wenn es bis dahin nicht schwerwiegende Probleme gibt. Und daran mangelt es hier nicht, Tibet ist aus politischen Gründen immer mal wieder für Ausländer gesperrt. Dann gibt es viele Polizei- und Militär-Kontrollposten in und um Lhasa. Jetzt ist auch wieder solch eine kritische Zeit. Ich hatte aber noch ein Visum für 3 Monate bekommen können.

Das Hauptgebäude der Sternwarte hat eine große 8m Kuppel für das Radioteleskop und eine 4m-Kuppel für ein optisches Teleskop. Das ist allerdings noch nicht da. Daneben gibt es noch eine zweite kleine Sternwarte eines Hongkonger Amateurastronomen, der auch Leiter einer astronomischen Vereinigung ist. Er betreibt in Yangbajing ein remote Teleskop, also ein ferngesteuertes Gerät. Ausserdem hat er noch weitere Instrumente im Einsatz: ein 20cm Spiegelfernrohr auf einer transportablen Montierung, ein 30cm Spiegelteleskop und noch verpackt in Kartons einen 16" Dobson. In den nächsten Monaten soll noch eine Sternwarte aufgebaut werden, die angeblich eine Schiebedachkonstruktion haben soll. Das Instrument dafür existiert schon, Es ist ein Meade LX200 neuester Bauart mit 16" Öffnung. Ausserdem hat eine Astronomengruppe aus Taiwan Interesse an dem Standort bekundet und will in den nächsten Wochen hier vorbei kommen.

Ich schicke Euch noch ein paar Bilder mit, die den aktuellen Stand der Anlagen zeigen. Das erste Bild zeigt unser jetziges Arbeitsteam vor den Sternwartengebäuden (von links nach rechts: Kommunikations-Elektroniker Dong Liang, Senior Ingenieur Li Jianbin, technischer Direktor der Sternwarte Martin Miller, Elektronikingenieurin Nimei Miller, Ingenieur und Philosoph Xu Gang). Die Nachtaufnahme ist am 23.5. in der späten Abenddämmerung gemacht worden. Die Sterne des Sternbildes Centaurus über den Bergen im Süden sind von Deutschland nicht zu sehen. Der kleine diffuse "Stern" rechts neben dem Mast ist der berühmte Kugelsternhaufen Omega Centauri. Die Aufnahme wurde mit einer Canon 1000D mit Standardobjektiv gemacht, 30 sec Bel.-Zeit bei Blende 4 und 800 ASA. Das Bild mit dem Mond und der Venus ist auch vom 23.5. Die Berge in dieser Richtung sind etwa 6000 hoch. Nachdem Venus und Mond hinter den Bergen untergegangen waren, zeigte sich das Zodiakallicht in dieser Richtung. Das Bild wurde 60 sec mit stehender Kamera belichtet.

Aber das Astronomendasein ist hart, nicht nur wegen der dünnen Luft hier oben. Auch in Yangbajing gibt es Lichtverschmutzung. In SW-Richtung ist eine furchtbar helle Lichtquelle, die zu einem Gebäude des E-Werkes gehört. Da die Werksangehörigen den Strom praktisch kostenlos mit Hilfe der heißen Quellen bekommen, können sie mit einigen kW-Leuchten ihr Verwaltungsgebäude und den Himmel bestrahlen. Ich hoffe, dass meine chinesischen Freunde etwas dagegen unternehmen können. Die Milchstrassenaufnahme ist mit ganz einfachen Mitteln entstanden: Am 24.5. hatte ich gegen 2:30 Uhr Pekinger Zeit ( 6h Zeitverschiebung gegenüber MEZ) 10 Aufnahmen mit stehender Kamera gemacht, die alle 30 sec belichtet wurden(Blende 4, 800 ASA). Die Bilder habe ich später mit dem Programm IRIS übereinander gelagert und gemittelt. Rechts unten sieht man schon etwas vom Streulicht dieser schrecklichen Lampe. Jetzt hoffen wir alle darauf, daß der Venus-Durchgang am 6. Juni noch gut zu beobachten ist, denn so langsam beginnt hier die Monsunzeit.

Viele Grüße aus Yangbajing

Euer Yeti

Angefügte Bilder:
yangbajing-team.jpg   Sternwarte-Yangbajing.jpg   mond-venus.jpg   bright lamp.jpg   milchstrasse.jpg   Zodiakallicht.jpg  
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cleopatra Offline

Mitglied VdS /
Administrator


Beiträge: 292

07.06.2012 02:09
#2 RE: Die Sternwarten in Yangbajing/Tibet antworten

Lieber Yeti,

vielen Dank für Deinen ausführlichen Bericht und die Bilder ! Vor allem das Milchstraßenbild, aber auch das Mondbild gibt m.E. anhand der Details im aschgrauen Mondlicht einen wunderbarten Eindruck von der Klarheit der Luft in dieser Höhe. Ich bin aber überrascht von Deiner Bemerkung über die Monsunzeit da ich bisher annahm, daß sich der Monsun nördlich des Himalaya in so großer Höhe kaum noch bemerkbar macht. Gibt es denn auch dort oberhalb von 4000m noch eine ausgeprägte Regenzeit durch den Monsun ?

Liebe Grüße
cleopatra

T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 465

07.06.2012 14:50
#3 RE: Die Sternwarten in Yangbajing/Tibet antworten

Lieber Yeti!

Auch mir hat es das Bild vom Milchstrassen-Zentrum angetan! Es könnte annähernd das Gesichtsfeld des blossen Auges wiedergeben. Dennoch viele DeepSky-Objekte klar erkennbar, die ich für Daheimgebliebene im beigefügten Bild mal bezeichnet habe. Ich hätte dazu noch 5 Fragen:
1) Was für eine Brennweite bezogen auf Kleinbild hast Du dafür verwendet?
2) Was stand in den "EXIF-Daten" der Aufnahme bezüglich ISO, Blende und Belichtungszeit?
3) War diese Aufnahme nachgeführt oder einfach so vom Fotostativ aus gemacht?
4) Habe ich die angeblich an ihrer "alten" Farbe erkennbaren Sterne vom "Bulge" der Milchstrasse richtig eingekreist? Irgendwo in der Nähe sollen sie in einer Art Fenster hervorscheinen.
5) Was von den markierten Objekten siehst Du dort mit blossem Auge?

Viele Grüsse aus K!

T Tauri

"Wir spalteten das [U] und verschmolzen das [H], nur das [D] versteckt sich noch als DUNKLE MATERIE vor uns . . ."

Angefügte Bilder:
Milchstrasse+Text.jpg  
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yeti Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 144

08.06.2012 09:16
#4 RE: Die Sternwarten in Yangbajing/Tibet antworten

Hallo T Tauri,
die Kamera ist eine Canon 1000D mit Standardobjektiv EF-S 18-55mm.
Für die Milchstrassenbilder hatte ich das Zoomobjektiv auf 25 mm eingestellt, Blende 4, 800ASA, 30sec Bel.-Zeit, damit die Sternenstriche nicht zu lang werden (auf Kleinbild umgerechnet sind das dann 38mm Brennweite). Die Kamera stand unverrückt auf einem Stativ. Ich hatte einen programmierbaren Timer dabei (Canon TC-80N3), den ich für 10 Aufnahmen mit der angegebene Belichtungszeit eingestellt hatte. Natürlich hätte auch eine simple Fernauslösung gereicht. Die "Nachführung" wurde dann später per software gemacht. Ich verwende in der Regel das freie Programm IRIS von Christian Buil http://www.astrosurf.com/buil/us/iris/iris.htm . Bilder gleicher Sternfelder, die gegeneinander verschoben, verdreht oder verschieden skaliert sind, kann man mit der Funktion "stellar registration" und der Unterfunktion "global matching" zur Deckung bringen. Das geht automatisch, man muss nur den gemeinsamen Namen der Bilder und die Anzahl definieren. Danach lassen sich die Bilder mitteln, entweder arithmetisch oder median. Ich hatte wegen einiger hellen dark-Pixel median gewählt, damit sind diese Störungen verschwunden. Dark- oder Flatbilder habe ich nicht gemacht. Das Ergebnis hat mich überrascht, denn auf den einzelnen Bildern war nicht viel von den Milchstrassenwolken zu sehen. Dies ist ein Beispiel, wie man mit einfachen Mitteln ohne Fernrohr und Nachführung schöne Astroaufnahmen bekommen kann.
Mit blossem Auge hatte ich M8, M20, M6 und M7 gesehen, auf M22 und die anderen Objekte hatte ich nicht geachtet. Einige Stunden vorher (gegen 22 Uhr) konnte ich sehr schön mit blossem Auge Omega Centauri sehen.
In der hellen Sternenwolke im Schützen findet man das "Baade-Fenster", das im Optischen den Blick bis tief ins Zentrum der Milchstrasse erlaubt. Die meisten Sterne des "bulges" sind aber hinter dichten Dunkelwolken verborgen. Im Internet habe ich dazu das angefügte Bild gefunden.

Viele Grüße
Yeti

Angefügte Bilder:
baades window.jpg  
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T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 465

09.06.2012 16:13
#5 RE: Baades Fenster antworten

Hallo Yeti!

Der Theorie folgend sollte der "Inhalt" von Baades Fenster gelblicher als die vorgelagerten Sternmassen sein. Auf den Fotos von Dir und Herrn Fuji haben die Sterne auf mehreren "Quadratgrad" in der Gegend scheinbar alle die gleiche Farbe. Oder gilt der den Sternenvordergrund bildende Sagittarius-Arm ebenfalls als von relativ alten Sternen besetzt?

Gruss aus Köln

T Tauri

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