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S Cephei Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 2

01.10.2013 04:04
Poljustage für parallaktische Goto-Montierungen antworten

Hallo zusammen,

die beim CLT von mir entwickelte und angewandte Einnordungsmethode ist vielleicht auch allgemein von Interesse, deshalb stelle ich sie hier mal vor.

            Einnorden mit einer Goto-Steuerung, hier am Beispiel der Sideres Deltacode
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Autor: Ingo Kelmes
Ähnlich wie bei der Scheinermethode macht man sich auch hier den unterschiedlichen Einfluß von
Justagefehlern von Azimut und Polhöhe je nach angepeilter Himmelsgegend zunutze.

1. Zunächst peilt man einen Stern nahe des Himmelsäquators in niedriger Höhe an, in Richtung
Osten oder Westen, Anfang Mai um 23 Uhr z.B. Atair im Osten. Auf diesen Referenzstern
(also Aql Alp, d.h. Alpha Aquilae) wird ein Align1 gemacht. Wir machen uns klar, daß in dieser
Tubusrichtung eine fehlerhafte Polhöhe praktisch keine Auswirkung auf die Koordinatenanzeige hat,
sehr wohl aber ein fehlerhafter Azimut.

2. Nun führen wir einen Goto zu einem zenitnahen Stern aus, Anfang Mai um 23 Uhr z.B. Alkaid/Alioth,
der äußerste Deichselstern (UMa Eta, d.h. Eta Ursae Majoris).
Wenn die Montierung noch dejustiert ist, zeigt der Tubus jetzt um einiges daneben.

3. Da die Abweichung wie vorhin überlegt hauptsächlich durch den Fehler in Azimut hervorgerufen wird,
der Azimut nun in Zenitnähe aber praktisch keinen Einfluß hat, kann man in dieser Position die Polhöhe
separat korrigieren, bis die Abweichung minimal wird. Die restliche Abweichung von der Sternrichtung
wird mit Bewegung der Steuerung in Rektaszension behoben.

4. Wir führen nun einen Align1 auf UMa Eta aus und machen uns klar, daß in dieser Tubusrichtung ein
fehlerhafter Azimut praktisch keine Auswirkung auf die Koordinatenanzeige hat, sehr wohl aber eine
fehlerhafte Polhöhe.

5. Nun führen wir einen Goto zurück zu Atair aus.

6. Eine noch vorhandene Abweichung resultiert wie vorhin überlegt jetzt hauptsächlich aus dem
Restfehler in Polhöhe, diese hat in der jetzigen Tubusposition aber praktisch kaum Einfluß auf die
Koordinatenanzeige, d.h. wir können den Azimut praktisch separat korrigieren, bis die Abweichung
minimal wird. Die restliche Abweichung wird durch Bewegung der Steuerung in Deklination behoben.

Man könnte nun die Punkte 1-6 iterativ wiederholen, allerdings geht der Fehler in Azimut dabei nicht
gegen Null, weil wir hierbei die Refraktion nicht berücksichtigen. Man kann aber außerdem einen Stern
gleicher Höhe wie Atair in Richtung Westen anpeilen, Anfang Mai um 23 Uhr z.B. Procyon
(CMi Alp, d.h. Alpha Canis Minoris).
Ziel ist dann, daß der Restfehler in Azimut beim Goto vom Zenit zum Osten genauso groß wird wie der
Restfehler beim Goto vom Zenit zum Westen und daß der Restfehler in Polhöhe im Zenit gerade
verschwindet. Dadurch wird der Einfluß der Refraktion durch Mittelung aufgehoben und die Einnordung
ist fertig.

Die Justage-Iteration muß auf eine Durchführung von Punkt 3. enden (echte Nulljustage der Polhöhe
ohne Refraktionsfehler), gefolgt von einer Symmetriekontrolle der Azimutabweichungen nach Goto
auf z.B. Atair und Procyon.

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