Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum für Mitglieder und Freunde der
VOLKSSTERNWARTE KÖLN
Forum Übersicht | Suche | Registrieren | Login | Online? | Mitglieder | FAQ
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 830 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Astrocafé
Daniela Offline

Mitglied VdS

Beiträge: 121

30.04.2009 22:49
Vortrag von Harald Lesch antworten

Hi

Ich war gerade beim Vortrag von Harald Lesch bei der Ringvorlesung zum IYA in Bonn. Der Vortrag zum Thema "Was hat das Universum mit uns zu tun?" war in vieler Hinsicht bemerkenswert.(Der Vortrag war übrigens sehr gut)

1) Es gab kein einziges Bild! Nur die Person Harald Lesch.

2) Harald Lesch spricht ziemlich schnell und wird manchmal auch etwas undeutlich

3) Er spricht in einem Vortrag von Quantenmechanik, Relativitätstheorie, der Geschichte des Universums, Was man für die Entstehung von Leben braucht, Wie ein Stern funktioniert, CMB, Strukturbildung, Dunkle Materie, Dunkle Energie, Kräfte in der Physik, Symmetriebrechung.....(Die Liste ist garantiert nicht vollständig, und ich glaube kaum das jemand ausser den ganzen Physikern und Astronomen alles verstanden hat.)


Damit macht er in seinem Vortrag, der übrigens sehr gut war, mit den letzten 2 Punkten was wir in unseren Vortägen in der Sternwarte genau das was wir oft als verkehrt ansehen, nämlich das schnelle Sprechen und die massive Themendichte. Mich würde interessieren ob noch jemand anderes der das hier liest in dem Vortrag war, und was er dazu denkt. Vor allem würde ich gerne die Meinung eines Laien wissen, inwiefern er den Vortrag Verständlich fand.....

Viele Grüße
Daniela

T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 465

01.05.2009 13:34
#2 RE: Vortrag von Harald Lesch antworten

Hallo Dani!

Der LIVE-Vortrag ähnelt wohl den kurzen TV-Vorträgen in der CENTAURI-Serie
des Fernsehsenders BR ALPHA. H.L. machte also, was er 1000fach geübt hat.

Ein gelungener Vortrgsabend ist immer die gelungene Synthese aus Referent, Thema,
Niveau und Publikum. Speziell zu letzterem habe ich noch ein paar Fragen:

- Wo genau und zu welcher Uhrzeit fand der Vortrag statt?
- Wieviele Zuhörer (Zuschauer wäre nicht ganz richtig . . .) waren im Saal?
- Was für ein Publikum war das mehrheitlich? (Alter und Vorbildung)
- Waren Kinder dabei, wenn ja - wie viele ungefähr?
- Was war mit Zuhörerfragen: Mitten im Vortrag oder nachher?
- Waren die meisten Fragen auf dem Niveau des Referenten oder einfacherer Natur?

Interessant ist halt, dass man hier die direkten Reaktionen des Publikums erfahren kann,
wogegen das TV immer als Einbahnstrasse funktioniert und sich nur in der "Quote" misst.

Viele Grüsse

Euer T Tauri

"Wir spalteten das [U] und verschmolzen das [H], nur das [D] versteckt sich noch als DUNKLE MATERIE vor uns . . ."

Voyager Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 13

04.05.2009 22:39
#3 RE: Vortrag von Harald Lesch antworten
Hallo Daniela, hi T Tauri,

ich bin auch im Vortrag gewesen, bin allerdings etwas "voreingenommen".
Als ich vor Jahren mal den ersten Alpha-Centauri-Vortrag in der Glotze (BR-Space-Night) gesehen hatte, fiel mir dieser rumhampelnde und in lustigen Vergleichen sprechende Harald Lesch erst als etwas seltsam auf. Aber ich wurde schnell zu einem großen Fan - umso mehr, als dass er inzwischen natürlich ein großes Wissens-Repertoire und eine große (pop.-)wiss. Vortragserfahrung auch im Themen-übergreifenden Bereich hat. Er philosophiert auch gerne mal jenseits der nüchternen Wissenschaft. Da stört es auch nicht, wenn man bemerkt, dass er Vergleiche, Anekdoten und Darstellungen in den vielen Vorträgen oft wiederholt (warum auch nicht).
Mich fasziniert, dass er komplett ohne Powerpoint- und Bilder-Schlacht und ohne Formeln auskommt. (Nein, ich bin kein Formel- und Medien-Muffel, aber "mal ohne" ist eine schöne alternative Erfahrung.) Natürlich greift er auf die von Daniela erwähnten Fachbegriffe zurück, aber hierbei kann er m.E. auch wunderschöne meist gut nachzuvollziehende imaginäre Bilder "in den Raum stellen" (daher rennt er auch soviel hin und her und gestikuliert so viel ;-) und muss dies nicht mit einer - die meisten wohl einschläfernden - Formelkaskade und Realbilderlawine tun. Ein Beispiel: Er verglich die "dunkle Materie" mit einer "alten Straße mit Dellen und Schlaglöcher", in denen sich das Regenwasser sammelt, dass man wiederum mit der sichtbare Materie vergleichen kann, die von der dunklen Materie "eingefangen" wird. Das ist ein viel schöneres Bild, als wenn jemand nur von Gravitationspotentialtrichter oder was auch immer spricht. Er erinnert mich auch ein bischen an die damals legendären "Richard Feynman"-Vorträge zu Physik-Themen. Der lockere Plauderstiel läßt einen manchmal vergessen, in welch komplexe Gefilde man sich gerade mit dem Vortragenden begeben hat.
Übrigens die meisten meiner Bekannten - und da gibt es auch einige Mathe-Hasser und Physik-Allergiker ;-) - finden seine Vorträge ausgesprochen bildhaft und meist gut nachvollziehbar, auch wenn ab und an der ein oder andere Satz ein Rätsel bleibt - aber wer versteht auch bei anderen Vorträgen schon immer alles ?.

Wenn einer Lust hat, sich die Alpha-Centauri-Reihe von ihm nochmal anzusehen, hier sind sie vollständig zu finden und direkt anzuschauen:
http://www.br-online.de/br-alpha/alpha-c...07836664586.xml
Oder auch seine SciFi-Reihe unter:
http://www.goldmusic.de/podcast/id/1000007374.html

OK, manchmal hüpft er schon etwas arg im Themenbereich mit größeren Sprüngen herum, aber m.E. ohne den Faden zu verlieren, mit dem er so nette "Gedankengewebe" spinnen kann. Dass er so eine "massive Themendichte" hat, kann er sich auch nur desshalb erlauben, weil er hiermit keine Materialschlacht macht, wo dann jeder abschalten würde, sondern in dem er diese Themen mit einfachen Gedankenbildern und Vergleichen dem Zuhörer erschließt. Es ist natürlich gut, wenn man gewisse Grundkenntnisse hat, aber das Bohrsche Atommodell reicht da schon, man muss nicht die Schrödinger-Gleichung aufschreiben können. Selbst das Bohrsche Modell von Wasserstoff hat er auch noch schnell erklärt, dass hier das Elektron um das Proton kreist und der Abstand hierzu bei Energiezufuhr nur um bestimmte Werte vergrößert werden kann, bis es schließlich ganz abgelöst ist, was dann Ionisierung heißt... So erinnert sich auch derjenige, der das seit der Schule verdrängt hatte hieran und kann folgen. Schnell ist der Vergleich zum Fußballstadion hergestellt: Wäre ein Atomkern so groß wie eine Kirsche und würde in einem Fußballstadion liegen, so wären die Elektronenbahnen etwa in den oberen Zuschauerrängen zu suchen. Dazwischen ist leerer Raum - dann wieder ne Anekdote: "Ein Zuhörer sagte mal, da muss dann doch noch Luft zwischen Kern und oberen Rängen bzw. Elektron sein ?... die meisten lachen....

@T Tauri:
- Wo genau und zu welcher Uhrzeit fand der Vortrag statt?
--> Donnerstag, 30.4., Prime-Time 20:00 Uhr
- Wieviele Zuhörer (Zuschauer wäre nicht ganz richtig . . .) waren im Saal?
--> Zuschauer *ist* richtig: Er gestikuliert sehr extensiv und läuft z.B. die Zeitachse permanent auf der Bühne ab - Man weiß also immer in welcher Zeit er sich gerade (nach dem Urknall) aufhält. Der Hörsaal war "randvoll" (auch die Gänge) inkl. Empore.
- Was für ein Publikum war das mehrheitlich? (Alter und Vorbildung)
--> alles, vermutlich der "interessierte Bevölkerungsdurchschnitt", auch Kinder. Aber sicher keiner, der mit Astronomie nichts anfangen kann.
- Waren Kinder dabei, wenn ja - wie viele ungefähr?
--> jau, <5% ?
- Was war mit Zuhörerfragen: Mitten im Vortrag oder nachher?
--> Nachher ausführlich. (Stört den Gedankenfluss nicht so)
- Waren die meisten Fragen auf dem Niveau des Referenten oder einfacherer Natur?
--> Drüber und drunter. Querschnitt eben.

Viele Grüße,
Voyager
 Sprung