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Dieses Thema hat 3 Antworten
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 Rund ums Beobachten
Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

20.04.2015 23:28
Midlife Crisis? antworten

Guten Abend Freunde,



heute Abend hat es mich erwischt! Ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie es früher in längst vergangenen Jugendtagen wohl beim Beobachten am ersten eigenen Fernrohr war - ein Tasco 60/700mm Refraktor mit schauerlichen Okularen H20mm, H12.5mm und H8mm.

Kürzlich erwarb ich hier im Forum vom Mitglied 'nebliger Stern' einen Satz anständige Okulare mit 24.5mm Steckdurchmesser und einen gleichen Refraktor in einer grauen Eschenbach-Inkarnation, da meiner schon lange den Besitzer gewechselt hat. Den habe ich heute Abend zum ersten Mal auf einer Pipe Mount zum Einsatz gebracht. Die Optik sieht gut aus (fettes Beugungsscheibchen mit 2 dünnen Ringen), und dementsprechend gut sah auch der Jupiter darin aus - ganz im Gegensatz zu meinen Erinnerungen von damals. Ein Test mit ebenfalls noch vorhandenen Tasco-Okularen entspr. Brennweite zeigte dann auch wieder den Jupiter, den ich noch in Erinnerung habe, zwei Hauptbänder, etwas Verdunkelung oben und unten, weiter nichts. Hätte ich damas auch schon die besseren Okulare gehabt (Kellner, Ortho), so hätte ich das Teleskop wohl nicht verkauft!

Gamma Leonis weit getrennt im OR7mm (4.4 arcsec), die Praesepe wunderschön formatfüllend im K40mm und einiges mehr. Die Venus zeigte aber dann auch die übliche Schwachstelle dieses Refraktors auf, einen Lichthalo durch Tubusreflexe. Die Innenschwärzung wird morgen optimiert werden, das hat der Kleine durchaus verdient. Ich verwende dazu eine spezielle schwarze Antireflexfarbe der Firma Astrogeräte Berger. Deren Wirkung ist besser wie die von Veloursfolie oder Schultafellack.

Eine gute Nacht wünscht Coyote

Meade ETX-70, Meade ETX-80, Lidl-Spektiv, Minolta Feldstecher

T Tauri Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 466

20.04.2015 23:54
#2 RE: Midlife Crisis? antworten

Lieber Reverend!

Wow - Nie hätte ich gedacht, einem Foto von diesem uralten Refraktor zu begegnen, und dann noch hier im FORUM!

Danke für Deine liebevolle Pflege meines Erbguts. In den späten Siebzigern hat mich der "kleine Chinese" mit seinen Bildern vom Mond, Jupiter, Saturn und sogar dem Ringnebel M57 zu dem gemacht, der sich heute T Tauri nennt.

Diese Art von Geburtstagsgeschenk für Kinder landet entweder bald im Keller oder es greift tief in die Biografie des Beschenkten ein.

Der ewige Klassiker: Das 60mm-Teleskop selbst ist robust und zeigt ein ordentliches Bild, man muss nur das Stativ, die Montierung, den Sucher, die Okulare*, die Barlow-Linse und die winzigen 24,5mm-Einschraubfilter für Mond und Sonne (vor allem Letzteren) entsorgen und durch irgendwas Brauchbares ersetzen und der Spass beginnt.

*Mit einem H8mm hattest Du damals fast noch Glück, bei mir war ein H6 im Lieferumfang und sollte 118x aus dem 60mm-Fraunhofer quetschen. Austrittspupille 0,5mm mit Technik aus dem 17. Jahrhundert! Und die 2x Barlow-Linse macht daraus dann noch 236x. ESCHENBACH war damit noch konservativ - andere Anbieter versprachen dem wehrlosen Kunden noch bis zu 400-fache Vergrösserung. Das ist so wie mit dem 50ccm Mofa-Motor mit 180 auf der Autobahn!

Viele Grüsse und hoffentlich noch einige schöne Anblicke durch den Kleinen wünscht Dir

T Tauri

Julius Cäsar Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 345

21.04.2015 08:59
#3 RE: Midlife Crisis? antworten

Hallo Reverend,
da können wir zusammen in Erinnerungen schwelgen. Mein erstes Fernrohr war auch so ein Tasco Refraktor, in weiss, auf einer Gabelmontierung. Vielleicht war meiner auch ein bischen größer (80 mm?), ich weiss es schon nicht mehr genau. Bei mir war ein 6er Okular dabei.
Ich war damals neun Jahre alt und kann mich an meine ersten Beobachtungen noch gut erinnern. Auf dem Balkon im 3. Stock, überwiegend Mond. Und ich kann mich auch an meine Begeisterung erinnern, als ich die Ringe des Saturn das erste mal sah. Die waren damals ganz klitzeklein. Das Teleskop hatten wir damals auf dem Flohmarkt, ich glaube für 20 Mark gekauft. Ich hatte von Optik keine Ahnung, insofern weiss ich nicht, ob die Qualität besonders gut oder schlecht war. Gab auf jeden Fall ein Bild und hat meiner Begeisterung für Astronomie keinen Abbruch getan. Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich mehr sehen und relativ schnell ein größeres Teleskop haben wollte. Das war nicht so einfach, die Teleskope waren damals noch teuer. Es dauerte also einige Jahre bis der berüchtigte 114 / 900er Spiegel auf einer Wackelmontierung kam.......

Der kleine Tasco wurde weiterverkauft, habe ihn (leider) nicht mehr....

Mit nostalgischen Grüßen
J.C.

Reverend_Coyote Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 200

21.04.2015 11:22
#4 RE: Midlife Crisis? antworten

Hallo,

ja, das war irgendwie schön, gestern Abend. Der kleine Chinese ist aber eigentlich ein kleiner Japaner, wie man am Firmenzeichen auf dem Okularstutzen sehen kann (eingekreistes T bedeutet Towa, ein bekannt guter jap. Hersteller damals in den 60ern und früher). Auch die ganze mechanische Ausführung ist absolut identisch zu meinem alten, weißen Tasco/Neckermann Exemplar, bis hin zur Form der Sucherhalterung und deren Rändelschrauben. Zwei Unterschiede gibt es (schleichende Inflation?): Der Sucher 5x24 hat, im Gegensatz zu meinem alten, kein zweilinsiges Kittobjektiv mehr, er ist abgeblendet auf etwa 10mm. Die Linse/Blende kann ich aber gegen ein vorhandenes Exemplar aus der Grabbelkiste austauschen. Und die Brennweite ist 710mm, wie ich beim Zerlegen eben gesehen habe, nicht 700mm wie bei meinem alten.

Leider war gestern Abend ein übles Seeing, sonst hätte ich Jupiter weiter vergrößert, bis entweder der Arzt kommt oder mir die Barlows ausgehen...nono
Wird nachgeholt wenn die neue Innenlackierung getrocknet ist. Auf der Pipe Mount (1.25" verzinkte Rohrverschraubungen aus dem Baumarkt, ca. €15) steht das Teleskop bombenfest, wenn ein wackelfreies Stativ verwendet wird. Die Achsen sind fast so dick wie der Teleskoptubus. Die Gewinde, auf denen sich die Sache in AZ/EL dreht, habe ich mit Teflonband umwickelt, es läuft dadurch sehr sauber und ruckfrei.

Oh Cäsar (Käsar?), auch Du hast den Fehler begangen, Dein erstes Teleskop zu veräußern? Ich rate jedem Neuling/Einsteiger, dies NICHT zu tun, es kommt der Tag der Reue, unweigerlich! Auch ich erinnere mich an den klitzekleinen Saturn, klein, aber mein, so kam es mir vor. Den vergißt man nicht, beim ersten Anblick von Mond, Jupiter und Saturn damals Weihnachten '67 kam ich mir plötzlich wie ein richtiger Astronom vor.

Das Okularsonnenfilter hätte damals fast die Karriere meines rechten Auges zerstört. Im Sommer '68 schaue ich mehrere Minuten lang durch das Ding, dann schaue ich zur Seite und ziehe den Kopf weg (Okularwechsel). In diesem Moment höre ich ein Knacken im Rohr und an meiner rechten Schläfe wird es plötzlich heiß! Etwa eine Sekunde nachdem ich das Auge aus dem Strahlengang zog...
Verwendet NIEMALS ein Sonnenfilter in Brennpunktnähe eines Teleskopes, sondern nur eines vor dem Objektiv!

Bis demnächst dann,

Coyote

Meade ETX-70, Meade ETX-80, Lidl-Spektiv, Minolta Feldstecher

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