Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Kontakt/FAQ 
Forum für Mitglieder und Freunde der
Volkssternwarte Köln
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 170 mal aufgerufen
Bei Antworten informieren
 Rund ums Beobachten
yeti Offline

Mitglied VdS


Beiträge: 144

25.01.2017 18:42
Eine Reise durch den Wintersternhimmel mit etwas Astrophysik antworten

Liebe Sternfreunde,

hier könnt ihr an einer Reise quer durch den Wintersternhimmel teilnehmen. Zu den Bildern gibt es kurze Erklärungen mit etwas astro-physikalischem Inhalt.


NGC 281 (IC11) mit dem eingebetteten Sternhaufen IC1590, Pac-Man-Nebel, Durchmesser ca. 30', Entfernung 9500 Lj
Diese HII Region wird vom Stern HD 5005, dem hellsten Stern im Nebel, zum Leuchten angeregt. Der Stern ist auch eine starke Röntgenstrahlungsquelle. Im Nebel sind einige kleine Dunkelwolken (Bok-Globulen) eingebettet. Die größte steht knapp östlich von HD 5005. In diesen Dunkelwolken können neue Sterne entstehen. Der rot-violette Farbton des Nebels kommt durch zusätzliche Emission in der türkis-farbenen OIII Linie.



NGC 1499, California-Nebel, HII Region, Winkeldurchmesser ca. 3°, Entfernung 1000Lj
im Sternbild Perseus, knapp 1° nordöstlich von Xi Persei. Xi ist ein heißer O5 Stern, dessen starke UV-Strahlung den Wasserstoff im Nebel zum Leuchten anregt. Die Wasserstoffatome werden ionisiert und senden bei der Rekombination das rote Licht der H-Alpha Wasserstofflinie aus.


LDN 1551 mit S 239, eine Dunkelwolke im Sternbild Stier in den Hyaden mit einer Sternentstehungsregion, Entfernung ca. 450 Lj
Diese Wolke gehört mit zum Taurus-Molekülwolkenkomplex, in dem sehr junge Sterne zu finden sind (T-Tauri Sterne) und auch jetzt Sterne entstehen. Die HII Region im Zentrum der Wolke enthält einen sehr jungen Protostern, der alle Muster einer Sternengeburt zeigt: starke Materialausflüsse mit Schockfronten und Herbig-Haro Objekte mit hohen Geschwindigkeiten.


Messier 1, Krebsnebel, Supernova-Überrest, Entfernung 6300Lj
Der Nebel hat seinen Ursprung aus einer Supernovaexplosion, die im Jahr 1054 beobachtet wurde. Heute ist die Wolke auf einen Durchmesser von 11 Lj angewachsen. Im Zentrum fanden Radioastronomen einen Pulsar, also einen Neutronenstern mit einem enorm starken Magnetfeld. Ist die Achse des Dipolfeldes gegenüber der Rotationsachse des Sterns geneigt, durchpflügt das Magnetfeld das umgebende ionisierte Gas und reißt die geladenen Teilchen mit, die auf ihren gekrümmten Bahnen Synchrotronstrahlung aussenden, das als bläuliches Licht im Krabbennebel sichtbar ist.


Messier 42 ,Orionnebel, Molekülwolke, Emissionsnebel, Entfernung 1350 Lj
Der Orionnebel ist eines der aktivsten Sternentstehungsgebiete. Die Trapezsterne sind nur 1 Mio Jahre alt. Im Inneren der Molekülwolke entstehen gerade neue Sterne, unter anderem ein sehr massereiches Objekt, das Becklin-Neugebauer Objekt, das auf Infrarotaufnehmen zu sehen ist. Die HST Aufnahmen zeigen eine Vielzahl von zirkumstellaren Scheiben, die Geburtsstätten von Sternen.


NGC 2024, Flammennebel, Barnard 33, Pferdekopfnebel, Entfernung 1500Lj
Die markante Dunkelwolke B33 mit der Form eines Pferdekopfes liegt vor der HII-Region IC 434, die von der UV-Strahlung des O9-Sterns Sigma Orionis (heller Stern westlich von B33) ionisiert wird. Der Flammennebel ist etwa gleich weit entfernt. Im Zentrum des Nebels zeigen Infrarotbeobachtungen einen jungen Sternhaufen, der aber im Sichtbaren von der davor liegenden Dunkelwolke verdeckt ist. Der helle Stern Alnitak westlich von NGC2024 steht mit dem Nebel nicht in Verbindung, er ist nur etwa halb so weit von uns entfernt.


NGC 1514, planetarischer Nebel im Stier, Entfernung 600...1000 Lj
Das Gas des Nebels expandiert mit einer Geschwindigkeit von 25km/s. Der anregende Stern im Zentrum ist ein enger Doppelstern mit einer Bahnperiode von knapp 10 Stunden. Die kleinere Komponente des Paares ist ein heißer Subzwerg der Spektralklasse O. Die Emission in OIII ist etwa doppelt so stark wie in H-Alpha, daher hat der Nebel eine blau-grünliche Farbe. Infrarotbilder zeigen zwei Staubringe um das Zentrum.


NGC 2346, Schmetterling-Nebel, planetarischer Nebel im Sternbild Einhorn, Entfernung 2000 LJ
Auch hier befindet sich ein Doppelstern im Zentrum des PN, der eine Periode von 16 Tagen hat. Solche bipolare Nebel können sich bilden, wenn sich eine Komponente zum Roten Riesen entwickelt und sich dabei so weit ausdehnt, dass seine Hülle in eine Scheibe um den kleineren Stern gesogen wird, oder sogar der kleine Stern sich ganz in der Hülle des Riesensterns befindet. Diese dramatischen Veränderungen bewirken Instabilitäten in der Heliumfusion des Roten Riesen, so dass plötzliche Energieausbrüche Teile der gemeinsamen Hülle abstoßen. Magnetfelder können die Gasjets weiter fokussieren. Es entsteht eine bipolare Nebelstruktur, die durch Präzessionsbewegungen im Laufe der Zeit weiter verbreitert werden kann.


NGC 6543, Katzenaugen-Nebel, planetarischer Nebel im Drachen, Entfernung ca. 3000Lj
Auch hier vermuten die Astronomen ein Doppelsternsystem im Zentrum, wobei eine Komponente ein Roter Riese war. Dieser hatte schon vor langer Zeit eine Hülle abgestoßen, die auf lang-belichteten Aufnahmen sichtbar wird. Die komplexe Gestalt des hellen, inneren Teils mit etwa 20 Bogensekunden Durchmesser könnte ähnlich erklärt werden, wie zuvor bei NGC 2346 beschrieben.
Weitere Einzelheiten und eine Animation finden sie hier: Ein aufblühendes Katzenauge


NGC 2359, Thors Helm, Wolf-Rayet-Stern mit Nebel, Entfernung 15000 Lj
Wolf-Rayet-Sterne sind sehr massereiche Sterne (zwischen 10 und ~200 Sonnenmassen) die durch Wechselwirkung mit einem engen Begleiter ihre äußere Hülle verlieren. Der freigelegte Kern hat eine Oberflächentemperatur von 30 000 bis 100 000K und bläst das abströmende Gas durch Strahlungsdruck mit bis zu 4000km/s in die Umgebung. Die UV-Strahlung ionisiert den Wasserstoff und den Sauerstoff zweifach, so dass der umgebende Nebel auf Farbaufnahmen rot und blau-grün erscheint (H-Alpha, O III).


Abell 21, Medusa-Nebel, großer planetarischer Nebel, Entfernung 1500 Lj
Der erst 1955 entdeckte Nebel wurde anfangs als planetarischer Nebel klassifiziert, später als Supernovaüberrest, wird aber jetzt wieder als alter planetarischer Nebel beschrieben, dessen Zentralstern vor etwa 7000 Jahren einen Ausbruch hatte . Der Winkeldurchmesser beträgt 12', dassind bei der angegebenen Entfernung etwa 4 Lichtjahre. Auf der Aufnahme kann man leicht den Zentralstern an seiner blau-grünen Farbe erkennen. Er bildet mit zwei hellen weißen Sternen ein kleines gleichseitiges Dreieck.


NGC 2264, Konus-Nebel, Offener Sternhaufen, HII Region und Molekülwolke, Entfernung 2500 Lj
Als NGC 2264 wird nicht nur der eingebettete offene Sternhaufen bezeichnet, sondern auch die gesamte HII Region. Die UV- Strahlung der jungen Stern des Haufens ionisiert das umgebende Gas, das zum großen Teil aus Wasserstoff besteht. Das ganze Gebiet ist aber auch durchzogen von Dunkelwolken – Molekülwolken. Besonders markant ist die Dunkelwolke, deren Form einem Konus ähnelt. Manche Leute bezeichnen das auch als „Maria mit dem Kinde“. Das dies auch so gesehen werden kann zeigte ich zu Weihnachten in einem meiner Forumsbeiträge: Maria mit dem Kinde


Viele Grüße
Yeti

Blue Star Offline

Mitglied VdS /
Moderator

Beiträge: 284

06.02.2017 01:43
#2 RE: Eine Reise durch den Wintersternhimmel mit etwas Astrophysik antworten

Hallo Yeti,

da zeigst Du uns ein paar ganz starke Bilder. Ich kann auch nicht wirklich sagen, welches der Bilder mir am besten gefällt.
Ich glaube, dass die 3 Bilder mit dem Pferdekopfnebel und Abell 21 sich auf meiner persönliche Hitliste die ersten Plätze teilen.

Schönen Gruß
Karsten

 Sprung