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 Rund ums Beobachten
major tom Offline

Mitglied VdS /
Moderator


Beiträge: 65

30.04.2022 14:30
Planetenparade am 28.04.2022 "halb & halb" antworten

Liebe Sternfreunde,
am 27.04.2022 klingelte um 3:40 Uhr der Wecker und frohen Mutes zog ich mich wie gewohnt zwiebelmässig an. Mein Equipement hatte ich am Vorabend vorbereitet. Auf dem Balkon nahm ich enttäuscht zur Kenntnis, dass die prognostizierte klare Wetterlage über Köln sich leider nicht bewahrheitete. Unverrichteter Dinge ging ich wieder schlafen.

In den Morgenstunden des 28.04.22 war angekündigt, dass knapp über dem östlichen Horizont die helleren Planeten Venus, Mars, Jupiter, Saturn sowie der Neptun gemeinsam in unmittelbarer Nähe jetzt ohne Mondsichel zu beobachten sind. Wieder habe ich mich um 3:40 Uhr wecken lassen...
Um 4:45 Uhr traf ich an dem vorab recherchierten Beobachtungspunkt nahe der Autobahnraststätte Frechen ein. Von hier aus schaue ich aus westlicher Richtung über die Heimatstadt hinweg auf den östlichen Horizont.
Mein Beobachtungsplatz lag direkt an einem Rapsfeld und ich suchte mir ein Plätzchen, das durch eine Kiefer von den Straßenlaternen verschattet war. Ich musste die Beine meines Stativs komplett ausfahren, damit meine Kamera über das Rapsfeld blicken konnte. Eine Katze staunte, dass ein anderer Nachtschwärmer auf ihrem Weg sich breit gemacht hatte.

1. Hälfte
Noch war es nahezu dunkle Nacht, doch das Licht der dauerhaft beleuchteten Millionenstadt erhellte die Dunstglocke spürbar. Es erstaunt mich immer wieder, dass meine Erwartungshaltung nicht der Realität entspricht. Die Planetenparade jedenfalls konnte ich mit bloßem Auge nicht ausmachen: Saturn fand ich mit meinem kleinen Feldstecher, ob ich Mars tatsächlich ausgemacht habe, konnte ich nur mutmaßen. Venus und Jupiter waren zunächst unsichtbar … ab rd. 30° über dem Horizont konnte ich vereinzelte Sterne ausmachen, darüber waren Kassiopeia, Schwan, Leier, Adler und Bärentöter für Kölner Verhältnisse ohne Einschränkung zu sehen.
Um kurz nach 5 begann die blaue Stunde, die ersten Vögel begannen ihr Konzert. Ich habe zahlreiche Aufnahmen gemacht, aber irgendwie hat mich die Tatsache, dass die Planetenparade für mich unerwartet unsichtbar blieb, schon sehr verunsichert. Nun ja, die Lichtpunkte die ich als Saturn und Mars identifiziert hatte, verblassten vollständig, der Himmel wurde immer bläulicher und heller.

2. Hälfte
Mehrfach glaubte ich die in der Dunstschicht aufgehende Venus entdeckt zu haben, einige Lichtpunkte entpuppten sich dann aber als Flugzeuge … doch gegen 5:40 Uhr habe ich dann die Venus in ungewohnt orangener Farbe ausmachen können. Inzwischen war der Morgenhimmel schon arg aufgehellt. Rascheln, dann sah ich ein Reh, das sich entlang des Rapsfeldrandes bewegte. Als das Reh mich entdeckte, machte es sich direkt aus dem Staub.
Als ich Venus wieder ausmachen konnte, wechselte ich das Objektiv mit meinem Teleobjektiv … und mir gelang das angefügte Foto. Ich finde, wenn man Jupiter und Venus für gewöhnlich als sehr helle Lichtpunkte am Nachthimmel wahrnimmt, auch im Horizontbereich, war es diesmal für mich eine grenzwertige Beobachtungserfahrung.
Um 5:50 Uhr habe ich nochmal die wunderbare Atmosphäre der Naturerfahrung „Beginn des Tages“ aufgesogen und dann den Heimweg angetreten.

Bild 1:
sony alpha 6000, 3.5-5.6/16-50,
ISO 5000, 1.6 s, Brennweite 16mm, F/5.6

Bild 2:
sony alpha 6000, 4.5-6.3/55-210,
ISO 2500, 0,25 s, Brennweite 55mm, F/5.6

Stets klare Nächte wünscht Euch
[major_tom_cgn]

Angefügte Bilder:
22-04-28 planetenreihe 5719 gr.jpg  
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